VISION 20005/2011
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Habt nicht Angst vor der Welt!

Artikel drucken Worte des Papstes (Papst Benedikt XVI)

Ja, liebe Freunde, Gott liebt uns. Das ist die große Wahrheit unseres Lebens, die allem anderen Sinn gibt. Wir sind nicht ein Ergebnis von Zufälligkeit oder Irrationalität, sondern am Anfang unserer Existenz gibt es einen Liebesplan Gottes. In seiner Liebe zu bleiben bedeutet dann, im Glauben verwurzelt zu leben, weil der Glaube nicht das bloße Annehmen einiger abstrakter Wahrheiten, sondern eine innige Beziehung zu Christus ist, die uns diesem Geheimnis der Liebe unser Herz öffnen läßt und als Menschen leben läßt, die sich von Gott geliebt wissen.
Wenn ihr in der Liebe Christi, im Glauben verwurzelt bleibt, werdet ihr auch inmitten von Widrigkeiten und Leiden die Quelle für Freude und Heiterkeit finden. Der Glaube steht euren höchsten Idealen nicht entgegen, im Gegenteil, er steigert und vervollkommnet sie. Liebe junge Freunde, richtet euch nicht nach etwas Geringerem als nach der Wahrheit und der Liebe aus, richtet euch nur nach Christus aus.
Gerade in der heutigen Zeit, in der die vorherrschende relativistische Kultur die Suche nach der Wahrheit, die das erhabenste Bestreben des menschlichen Geistes ist, aufgibt und verachtet, müssen wir mutig und voll Demut wieder die universale Bedeutung Christi als Retter aller Menschen und Hoffnungsquelle für unser Leben darlegen. Er, der unsere Leiden auf sich genommen hat, kennt das Geheimnis des menschlichen Schmerzes und zeigt seine liebevolle Gegenwart in allen Leidenden. Jene wiederum, die mit dem Leiden Christi vereint sind, nehmen ganz nahe an seinem Erlösungswerk teil. Zudem wird unsere uneigennützige Aufmerksamkeit gegenüber den Kranken und Benachteiligten immer ein demütiges und leises Zeugnis des mitleidsvollen Angesichts Gottes sein.
Liebe Freunde, keine Widrigkeit möge euch lähmen. Habt keine Angst vor der Welt, noch vor der Zukunft oder vor eurer Schwachheit. Der Herr hat euch geschenkt, in diesem Augenblick der Geschichte zu leben, damit dank eures Glaubens sein Name weiter in der Welt erklingt.
Bei dieser Gebetsvigil lade ich euch dazu ein, Gott zu bitten, daß er euch helfen möge, eure Berufung in der Gesellschaft und in der Kirche zu entdecken und froh und treu darin standzuhalten. Es ist der Mühe wert, in unserem Inneren den Ruf Christi aufzunehmen sowie mutig und großherzig dem Weg zu folgen, den er uns vorschlägt.
Viele beruft der Herr zur Ehe, in der ein Mann und eine Frau, indem sie ein Fleisch werden, sich in einem tiefen gemeinsamen Leben verwirklichen. Dies ist eine schöne und zugleich anspruchsvolle Perspektive. Ein Vorhaben wahrhaftiger Liebe, die sich durch das Miteinanderteilen der Freuden und Schwierigkeiten jeden Tag erneuert und vertieft und durch ein Bemühen der gesamten Person gekennzeichnet ist. Die Schönheit und Vortrefflichkeit der Ehe zu erkennen bedeutet deshalb, sich dessen bewußt zu sein, daß nur ein Bereich der Treue und Unauflöslichkeit sowie der Öffnung für das göttliche Geschenk des Lebens der Großartigkeit und Würde der ehelichen Liebe angemessen ist.
Andere wiederum beruft Christus dazu, ihm in noch größerer Nähe zu folgen, im Priestertum oder im geweihten Leben. Wie schön ist es zu wissen, daß Jesus dich sucht, seinen Blick auf dich richtet und mit seiner unverwechselbaren Stimme auch zu dir sagt: „Folge mir nach!“

Auszug aus der nichtgehaltenen Predigt bei der Gebetsvigil mit den Jugendlichen in Madrid am 20.8.11

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