VISION 20006/2021
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Den 1. Schritt macht Gott

Artikel drucken Über die Herausforderung Gottes Wege zu erkennen (Christian Dick)

Er war Rundfunkmoderator bei Radio Charivari in Regensburg, trat als jonglierender Clown auf und hatte eine Freundin. Dann kam die radikale Wendung in seinem Leben: Er spürte den Anruf Gottes. Hierüber spricht der Passauer Bischof Stefan Oster völlig offen und ohne große Umschweife in dem Buch „Den ersten Schritt macht Gott – Über Erfüllung, Berufung und den Sinn des Lebens“. In diesem Buch geht er insbesondere darauf ein, was der Unterschied zwischen Beruf und Berufung ist, ob Gott einen bestimmten Weg für jeden Menschen vorgesehen hat, was passiert, wenn man nicht den Weg geht, den Gott für einen vorgesehen hat, wenn man einen Weg geht, der nicht geradlinig ist und was es bedeutet, dass Gott dem Menschen die Freiheit gegeben hat.  
Das Werk entstand auf Basis einer Interviewreihe mit dem Journalisten Rudolf Gehrig im Fernsehsender EWTN. Bischof Oster beschreibt in dem Buch sehr eindrucksvoll, wie er mit sich gerungen hat, als er spürte, dass Gott ihn ganz zu sich ziehen wollte, ihm zu verstehen gab, dass er sich ganz hingeben muss. Er erzählt, wie er als 17-Jähriger in Taizé das erste Mal in seinem Leben den Ruf Gottes gespürt hat. Dann entschied er sich aber für einen weltlichen Weg. Er spricht darüber, dass er in einer Liebesbeziehung mit seiner damaligen Freundin das vollzogen hat, was eigentlich der Ehe vorbehalten ist und stellt sehr plastisch den inneren Kampf dar, den er durchgemacht hat, als er den Ruf Gottes zu einer bedingungslosen Hingabe spürte. Stefan Oster hebt hervor, dass die Entscheidung für Gott eine ganz radikale Entscheidung ist.
Gleichwohl betont Oster auch, dass Gott jedem Menschen die Freiheit gegeben hat und einen Menschen nicht bestraft, wenn dieser zum Beispiel kein Priester werden will und einen anderen Weg einschlägt, auf dem er dann trotzdem sehr priesterlich für andere Menschen wirken könne. Auch macht er deutlich, dass im Leben eines Menschen, der sich in einem bestimmten Moment nicht so entschieden hat, wie es Gott vorgesehen hätte, immer neue Herausforderungen auftreten können, so dass er schließlich auch auf Umwegen zu dem Ziel kommen kann, zu dem Gott ihn leiten will. Wichtig ist laut Oster aber, dass der Mensch immer die Freiheit hat.
In einer Pressemeldung des Bistums Passau zum vorliegenden Buch erklärt Oster: „Es ist nicht leicht, so über die Erfahrung von Lebensglück und Berufung, aber auch von Versuchungen und vom Scheitern zu sprechen, dass es verständlich ist. Denn es geht dabei ja immer ums Innerste, um den Resonanzraum des Herzens, in dem eine Antwort wächst. […] Berufung leben bedeutet, mit dem eigenen Leben eine Antwort versuchen auf eine Berührung, die nicht nur von dieser Welt ist.“
Das vorliegende Buch richtet sich ebenso an junge Menschen, die auf der Suche nach dem Sinn des Lebens sind, wie auch an all die Menschen, die nicht wissen, ob der von ihnen eingeschlagene Weg für sie richtig ist und die sich gewissermaßen an einer Weggabelung in ihrem Leben befinden. Auch macht das Buch deutlich, dass diese oder jene Entscheidung nicht von Gott bestraft, weil Er gütig und kein strafender Gott ist, der alle seine Kinder liebt. Er ist wie der Vater im Gleichnis vom verlorenen Sohn, dem dieser Sohn besonders wichtig ist. Oster führt auch am Beispiel seiner eigenen Vita vor Augen, dass der Lebensweg eines Menschen keineswegs immer geradlinig ist, aber trotzdem zu dem Ziel führen kann, den Gott im Sinne hatte. Wichtig ist es laut Oster nur, sich von Gott berühren zu lassen.


Den ersten Schritt macht Gott – Erfüllung, Berufung und den Sinn des Lebens. Von Stefan Oster und Rudolf Gehrig. Verlag Herder, 176 Seiten, 16,50 €.

Dr. Stefan Oster SDB, geboren 1965 im Amberg/Operpfalz, ist seit 2014 Bischof von Passau. Er studierte Philosophie, Geschichte und Religionswissenschaften. Von 2016 bis 2021 war er der deutsche Jugendbischof.

Rudolf Gehrig, geb. 1993, ist Journalist und Chefkorrespondent bei CNA Deutsch. Gehrig arbeitet außerdem beim katholischen Fernsehsender EWTN als TV-Moderator und ist regelmäßiger Kolumnist der Tagespost und des Vatican-Magazins.


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