VISION 20006/2021
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Die Kirche muss
Suizid anders sehen
Klar scheint indes, dass sich das Bild vom Suizid dramatisch ändern wird. Galt er bisher als individuelle Tragödie mit verheerenden Folgen für die traumatisierten Hinterbliebenen, so tritt nun ein neuer Typus eines „guten“ Suizids hinzu, der einen Anspruch auf Rationalität und Respekt erhebt. „Wo wir bisher die Pflicht zum Widerstand hatten, könnten wir nun eine Beistandspflicht bekommen,“ erklärte der katholische Moraltheologie Walter Schaupp den Paradigmenwechsel in der Furche. Auch die katholische Kirche stehe nun vor der großen Herausforderung, ihre Haltung zum Suizid als verfügbarem Tod neu durchzudenken.
Die Furche v. 28.10.21
Unglaublich, wie weit die Anpassungsbereitschaft an den Zeitgeist bei manchen Theologen geht. Nicht nur für der Kirche Fernstehende verliert deren Lehre damit jede Kontur.

Ein Aufruf zur
Solidarität mit Polen
In den letzten Wochen ist die Konfrontation zwischen den EU-Behörden und  Polen eskaliert. Diese Auseinandersetzungen dauern nun schon mehrere Jahre und sie haben die Justizreform sowie von polnischen Städten und lokalen Behörden verfügte Maßnahmen zugunsten der Familie zum Gegenstand. Gleiches gilt für eine Entscheidung des polnischen Verfassungsgerichts zugunsten des Lebensschutzes der ungeborenen Kinder durch Verbot der eugenischen Indikation. Die EU-Organe haben über Polen Finanz-Sanktionen verhängt und weitere dürften folgen. Sie berufen sich dabei auf das Prinzip der Rechtsstaatlichkeit und auf die Werte, auf denen die EU aufbaut.
Zur Verteidigung Polens halten wir fest, dass dieses Land seit Jahrzehnten einer feindseligen Medienberichterstattung ausgesetzt ist, die bemüht ist, ein verzerrtes Bild seines politischen Lebens zu zeichnen. Polen wird als Land dargestellt, in dem angeblich die Demokratie durch ein autoritäres Regime gefährdet sei.
Diese Bild ist falsch. Wir stimmen keineswegs mit allen politischen Entscheidungen der polnischen Regierung überein, müssen aber klarstellen, dass Polen ein demokratisches, freies Land ist, in dem es problemlos zu wechselnden Regierungen bei freien Wahlen kommt.
Dass wir heute nach dem Fall des Kommunismus in einem geeinten Europa leben, ist Polen mehr als irgendeinem anderen Land zu verdanken. Es ist daher absurd, dass gerade Polen mit seiner traditionellen Haltung, die Freiheit zu verteidigen, in die Rolle eines Problemstaates gedrängt wird.
Die EU-Einrichtungen sind mitschuld an der Aufschaukelung des Konflikts. Resolutionen des EU-Parlaments greifen Polen an und stellen Forderungen an das Land in Bereichen, wo sowohl nach EU- wie nach polnischem Recht die Kompetenz bei Polen liegt. Diese Resolutionen beurteilen nach unwahren Kriterien das, was in Polen auf dem Gebiet des Lebensschutzes und der Familie geschieht.
Nach dem Sturz des Kommunismus ist der Umgang mit dem post-kommunistischen Rechtssystem in gleicher Weise in allen diesen Ländern ein Problem. Und es gibt keinen Grund, warum Bemühungen der Regierungen mit diesem Problem zurechtzukommen, sofort als Angriff auf die Unabhängigkeit der Gerichte gedeutet werden müssten. Noch wurde kein Beweis für den Unabhängigkeitsverlust der polnischen Gerichte vorgelegt. Noch einmal: Zuständig für das Justizwesen  sind die polnischen Regierungen.
Die von den EU-Behörden eingesetzten Instrumente, um Druck auf Polen auszuüben, sind empörend. Das ist finanzielle Erpressung. Die Länder Westeuropas erlebten einen massiven Anstieg ihres Wohlstands in der Zeit des Kalten Krieges, während die Bürger der Länder Osteuropas im Kampf gegen den Kommunismus Opfer durch Verfolgung auf sich nahmen. Nachdem diese Opfer durch den Sturz des Kommunismus und die anschließende Wiedervereinigung Europas Früchte getragen hatten, mussten die Bürger Osteuropas eine schmerzhafte Phase der wirtschaftlichen Transformation über sich ergehen lassen. In dieser Zeit weiteten die westlichen Länder ihre Märkte Richtung Osten aus. Und dennoch wagt es der reiche Westen der EU heute, die ärmeren Mitgliedsstaaten finanziell zu bestrafen. Und zwar einfach nur deswegen, weil sie es wagen, in bestimmten Fragen eine andere Sichtweise zu haben. Einigen Vertretern der EU-Institutionen mangelt es einfach an his­torischem Erinnerungsvermögen.
Wir sind der Meinung, dass der wahre Grund des medialen und politischen Drucks auf Polen darauf zurückzuführen ist, dass Polen – so wie es dies schon oft in der Geschichte getan hat – das Recht seiner Bürger verteidigt, in ihrem Land und in Europa entsprechend ihren lange bestehenden, historischen Traditionen und bewährten Werten zu leben. Diese Traditionen und Werte sind nachhaltiger als die modischen politischen Trends, die noch vor ein paar Jahrzehnten auch den heutigen Kritikern Polens fremd gewesen waren. Wir unterstützen Polens Be­mühungen, dieses Recht seiner Bürger zu verteidigen und bringen unsere Solidarität zum Ausdruck.
Wir rufen die EU-Verantwortlichen auf, Ihren Zugang zu ändern, eine vernünftige Zurückhaltung an den Tag zu legen, den Konflikt nicht weiter anzuheizen und Polen nicht weiter mit Sanktionen zu bedrohen. Und wir fordern sie auf, Schritte zur Lösung des Konflikts zu unternehmen. Den Druck auf Polen weiter zu verstärken, wird leider zu keiner Lösung führen.
Bratislava, am 4. November 2021
Es tut gut, einmal eine andere Sicht auf die Konfrontation zwischen EU und Polen vorgesetzt zu bekommen als das, was die westliche Medienwelt uns tagtäglich vorsetzt. Diese Erklärung ist von namhaften slowakischen Persönlichkeiten, Vladimír Palko, Ex-Innenminister der Slowakei, Božidara Turzonovová, Universitäts­professorin, František Mikloško, Ex-Präsident des Slowakischen Nationalrats, Jaros­lav Daniška, Chefredakteur von Štandard, Ján Čarnogurský, Ex-Ministerpräsident der Slowakei und anderen unterzeichnet. Viele von ihnen waren im Untergrund aktiv und haben wesentlich zum Sturz des Kommunismus in der Slowakei beigetragen.

Das Beichtgeheimnis ist aufgehoben
Das Parlament von Western Australia hat letzte Woche die „Community and Family Services Amendment Bill 2021“ beschlossen. Sie trägt allen religiösen Amtsträgern auf, Kindesmiss­brauch zu melden, auch wenn er ihnen im Rahmen einer katholischen oder orthodoxen Beichte enthüllt wurde, also in einer gottgewollten Vertrauensbeziehung, die bisher seit fast 2000 Jahren als sakrosankt gegolten hat. „Es wird keine Rechtfertigung dafür geben, diesen verpflichtenden Bericht nicht abzuliefern, nur weil sein Wissen dem Amtsträger im Rahmen einer Beichte zukam oder weil einen solchen Bericht abzuliefern, gegen die Grundsätze seiner Lehre oder seines Glaubens verstoßen,“ hält eine Presseaussendung der Regierung fest.
Mercatornet 24.10.21
In dieser Frage kann die Kirche keine wirklichen Konzessionen machen, denn bei der Beichte findet ein Zwiegespräch des Sünders mit Gott statt. Außerdem: Wer wird noch beichten, wenn ihm die Veröffentlichung seiner Sünden droht? Und: Welche anderen Vergehen sind nach einem solchen Tabubruch bald ebenso meldepflichtig?

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