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Kindersoldaten gerettet – Der Einsatz einer Schwester in Liberia

Artikel drucken (Alexa Gaspari)
 
   

Schwester Johanna Datzreiter, eine äußerst tapfere, ja unerschrockene Frau hat den 14 Jahre dauernden  Bürgerkrieg, vier Mal Flucht vor Rebellen und die Ebola-Epidemie in Liberia überlebt. 42 Jahre ihres Lebens hat sie in dieses Land investiert und nun mit Unterstützung der leider viel zu früh verstorbenen Marie Czernin ihr zweites Buch: Kindersoldaten gerettet veröffentlicht.
 Es handelt vor allem vom Schicksal der Kindersoldaten. Anhand verschiedener beindruckender, berührender Beispiele zeigt sie, dass nur durch Liebe die Seelen der Kindersoldaten, heilen konnten. Nur durch Liebe, Verständnis, Vergebung und wohl auch viel Geduld war es möglich, diese verwirrten, verführten und betrogenen jungen Menschen wieder zurück in ihre Familien und voll in die Gesellschaft Liberias zu integrieren .
Wir lesen vom Prozeß der Entwaffnung der Kindersoldaten durch UN-Soldaten, die ein Jahr dauerte. Auch dann wollten jedoch die eigenen Familien diese jungen Menschen nicht zurücknehmen. Zu unberechenbar und brutal hatten sie geplündert und gemordet. Schwester Johanna zeigt auf, dass diese Jugendlichen nicht nur Täter, sondern auch selber Opfer gewesen waren:  Zum Teil waren es ja Kinder, die entführt und  brutal fanatisiert worden waren. Andere waren dem berüchtigten „Papi“ Charles Taylor gefolgt, weil dieser ihnen das Blaue vom Himmel und eine gute Schulbildung versprochen hatte. Durch brutale Indoktrinierung, mit Hilfe von Drogen wurden sie zu Sklaven des Warlords, sogar bereit, ihre  eigenen Familienangehörigen  zu ermorden.
Mädchen wurden gefügig gemacht, mussten den Soldatenbuben, die zu „Generälen“ aufsteigen konnten, in allem gehorchen. Manche von ihnen blieben nach dem Krieg allein mit kleinen Kindern zurück, mussten betteln oder in die Prostitution gehen… Mehr als 30 000 Jugendliche haben dieses Schicksal erlitten.
Die Schwestern waren vor dem Krieg, während des Krieges und nach dem Bürgerkrieg für „ihre Kinder“, wie Schwester Johanna schreibt, da. Als sie von allen gemieden und geächtet wurden, fanden die Kindersoldaten bei den Schwestern Schutz und Hilfe.
Mit ihrem Team hat sich Schwester Johanna „mit ganzem Herzen für die Rehabilitierung der ehemaligen Kindersoldaten“ eingesetzt. In Hauswirtschaftsschulen sollten z.B. die Straßenmädchen wieder in ein normales Leben hinein begleitet werden.
Schwester Johanna zeigt uns aber auch, dass selbst im Krieg manche der jungen Soldaten bewiesen, dass sie sehr wohl noch ein Herz hatten: So hatte Amos, ein Kindersoldat, eine halb verblutete junge Frau aus einem feindlichen Stamm, im Busch gefunden, ihr zugeflüstert: „Du bist meine Schwester, ich werde dich retten“ und sie bis ins Spital geschleppt. Dabei hatte er sein eigenes Leben aufs Spiel gesetzt, denn einen Feind nicht zu töten, hätte für ihn die Hinrichtung bedeuten können.
Wie schön, dass wir auch lesen dürfen, dass diese junge Frau, später in einem Ausbildungszentrum der Schwestern für ehemalige Kindersoldaten ihren Retter wieder traf. Beiden „umarmten sich und weinten vor Freude“.
Einige Geschichten erzählen, wie sehr diese Mädchen und Burschen den festen Willen hatten, nach dem Krieg verantwortungsvolle und hilfsbereite Erwachsene zu werden. Sie halfen beim Errichten und Sanieren von Kirchen und Häusern, betreuten aber auch unerschrocken an Ebola Erkrankte oder halfen bei der Beerdigung von Ebola-Toten – Tätigkeiten, die wegen der großen Ansteckungsgefahr niemand übernehmen wollte.
Ein berührendes, spannendes – durch Fotos ergänztes – Buch, das viele ans Herz gehende Berichte enhält und das Wirken dieser bewundernswerten Schwester beschreibt.

Kindersoldaten gerettet. Von Sr. Johanna Datzreiter & Marie Czernin. BE+Be-Verlag. 280 Seiten, 14,90€

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