VISION 20001/2015
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Im Gespräch bleiben

Artikel drucken Über die oft schwierigen Eltern-Kind-Debatten (Defendente Génolini)

Ist unser Reden, so wahr es auch sein mag, für unsere Kinder nicht oft unverständlich? Innerhalb von nur einer Generation – leider bearbeitet von den verrückten Ideen des sogenannten Mai 1968 – haben sich die Gedankengänge total verändert.

Sei es durch Schulbücher oder durch die Wertvorstellungen ideologisierter Professoren, sei es durch die in Zeitungsartikeln, im Fernsehen, vor allem aber im Internet vermittelten Botschaften – diese Dauerberieselung hat das noch anfällige, manchmal noch unberührte Verständnis der Menschen geprägt und ihm eine unreflektierte Denkweise ohne Alternative aufgedrängt. Wenn wir dann, oft erst als Zweite mit anderen Vorstellungen daherkommen, begreifen unsere Kinder oft nicht einmal, wovon wir reden.
Dann geht es darum, jeden Knoten ihres Vorverständnisses einzeln zu lösen, bevor wir eine der Wahrheiten äußern, die ihnen sonst aufgrund dessen, was sie üblicherweise hören, unfass­bar erscheinen müssen.
Ist unser Reden nicht oft unverständlich für unsere Kinder? Die Worte haben ihren Sinn verändert. Sie sind oft so verfälscht, dass derselbe Satz gestern als etwas Sinnvolles geäußert, heute Unsinn bedeutet, ja einfach auf Unverständnis stößt.
Was uns selbstverständlich erscheint, ist es nicht unbedingt für die nächste Generation. Oft fehlen ihr die intellektuellen Voraussetzungen (die ihnen niemand vermittelt hat), um neue Gedankengänge nachvollziehen zu können. Die Unmittelbarkeit der Information, die Selbstverständlichkeit, mit der Journalisten und manche Lehrer ihre Sichtweise äußern, das fortwährende Zappen, das dazu führt, dass man sich kaum länger bei einem Thema aufhält: All das bereitet den Geist nicht darauf vor, sich in wichtige Fragen zu vertiefen. Und so erwecken wir Eltern den Eindruck, Hinterwäldler zu sein, wenn wir vergeblich versuchen, uns ohne Dolmetsch und Wörterbuch verständlich zu machen.
Bereitet es uns daher nicht Unbehagen, etwas zu sagen? Sicher! Das darf uns aber nicht aus der Ruhe bringen und entmutigen. Ja, Debatten können unbehaglich werden – übrigens eher für uns als für unsere Kinder.
Und dennoch: Wir sollten nie daran zweifeln, dass ein „wahres, rechtes und liebevolles“ Wort das einzig angemessene ist – selbst wenn es zunächst mit Ärger quittiert wird. Was uns als beängstigender Monolog erscheinen mag, kann – mit der Gnade und durch Wiederholung – das Herz berühren. Es genügt, dass wir das von Gegenströmungen hin und her geworfene Boot nicht verlassen.
Aus: Famille Chrétienne
v. 20.-26.8.11

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