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Botschaft an uns

Artikel drucken Der selige P. Anton Maria Schwartz (Von P. Gottfried Großsteiner COp)

Der selige Anton Maria Schwartz hat die Kongregation der Kalasantiner im Jahr 1889 in Wien gegründet. Er selbst staunte über das Wirken Gottes in seinem Leben und behauptete immer, dass nicht er, sondern der Hl. Geist den Orden gegründet habe! Es ist tatsächlich erstaunlich, auf welch verschlungenen Wegen es dazu gekommen ist:
Anton Schwartz wurde am 28. Februar 1852 als viertes Kind einer Musikerfamilie in Baden bei Wien geboren. Da er talentiert war, wurde er in Heiligenkreuz als Sängerknabe aufgenommen und hat dort neben seinem frommen Familienleben auch erste Eindrücke vom Ordensleben erhalten. 1865 begann seine Schulzeit in Wien. Die Eltern brachten ihn bei einer Tante unter und schickten ihn ans Schottengymnasium. Kaum hatte er sich den neuen Herausforderungen er­folg­reich gestellt, traf ihn ein schwerer Schicksalsschlag: Der plötzliche Tod des Vaters!
Die Mutter stand nun mit neun Kindern da, völlig allein auf sich gestellt! Sie übersiedelte nach Wien, Anton musste durch Nachhilfeunterricht zum Erhalt der Familie beitragen. Dazu kam noch, dass er wegen verschiedener Schwierigkeiten die Schule wechseln musste. Es war ein jahrelanges Ringen mit äußeren und inneren Anfechtungen. Gott sei Dank hatte er einen guten Beichtvater, P. Medits CM, der ihn zu einer starken und widerstandsfähigen Persönlichkeit formte.
Durch den Schulwechsel lernte er bei den Piaristen deren Gründer, den hl. Josef Kalasanz, kennen. Das Lebenszeugnis dieses großen Heiligen hat ihn geprägt. Er fühlte sich berufen, in diese Ordensgemeinschaft einzutreten, doch infolge des schleichenden Kulturkampfes in Österreich wurde ihm eine Zukunft in diesem Schulorden verwehrt. „Wen Gott liebt, den prüft er!", so sagte dann Anton Schwartz in den Zeiten der Ungewissheit. Er war zum Priester berufen, und so ging er ins Wiener Priesterseminar. Dort entfaltete sich seine Liebe zu Jesus sehr stark. Sie äußerte sich durch die Herz Jesu-Verehrung, mit der er auch seine Kollegen mitriss. Seine Liebe zur Muttergottes zeigte er u. a. dadurch, dass er sich den Zweitnamen Maria zulegte. Seine Liebe zeigte sich bei ihm auch im Umgang mit seinen Mitstudenten durch große Hilfsbereitschaft und Kameradschaftlichkeit. Diese betitelten ihn schon zur Alumnatszeit mit „Sanctus Schwartz!"
Obwohl ihm seine zerbrechliche Gesundheit stark zu schaffen machte, konnte er am 25. Juli 1875 die Priesterweibe empfangen. Seine erste Pfarrstelle war Marchegg. Auch dort schonte er sich nicht, setzte sich für den Schutz der Jugendlichen ein, die durch sexuelle Freizügigkeit und Alkohol oft auf einen problematischen Weg gerieten. Die Begegnung mit dieser und anderen sozialen Nöten sollte für sein weiteres Leben entscheidend werden.
Doch es ging nicht auf geradem Weg. Wenngleich er auch in Marchegg einen „Ehrentitel“ bekam, „der Papst von Marchegg“, wurde er zunächst wegen seiner Kränklichkeit zum Krankenhausseelsorger bei den Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul bestellt. Für ihn war das wieder eine große Umstellung und Herausforderung. Er musste sich mit der Spiritualität der Vinzentinerinnen befassen und den Umgang mit kranken und leidenden Menschen lernen. Aber auch hier halfen ihm seine Opferbereitschaft und Liebenswürdigkeit, die Herzen der Menschen zu gewinnen. Da dieses Spital in einem Arbeiterwohnviertel lag, lernte er die vielfachen Nöte der Handwerker und Industriearbeiter und deren Familien kennen.
Zur eigentlichen Berufung halfen ihm einige entscheidende Begegnungen. Zum einen war da die Sr. Magdalena Kühtreiber, die ihm ihr Leid klagte. Sie leitete einen Kinderhort und musste mit ansehen, wie die Kinder nach ihrer Schulzeit im Stich gelassen wurden. Vorher wohl behütet, dann schnell verführt und verkommen. Niemand kümmerte sich um die Jugendlichen nach der Schulpflicht! Dies ging Hw. Schwartz sehr zu Herzen und er ging damit ins Gebet. So begann er Gottes Ruf zu hören: "Ich vertraue dir die Lehrlinge an!"
Schritt für Schritt mit großer Zähigkeit und Entschiedenheit begann sein Ringen um die jungen, gefährdeten Seelen, um die Lehrlinge. Am 15. Oktober 1882 gründete er mit einigen gläubigen Fabriksherren den „Katholischen Lehrlingsverein“, dessen Spiritual er wurde. Das Werk wuchs so rasch, dass es den ehrenamtlichen Helfern bald zu viel wurde.
Da kam es zu einer weiteren entscheidenden Begegnung: Immer noch war Hw. Anton Maria Schwartz auch Seelsorger im Spital. Dort traf er einen Lehrling an, der im Sterben lag. Dieser sagte zu ihm: „Für alle hat die Kirche Orden, für Kranke, für Gefangene, für Studenten – nur uns hat sie vergessen!" Diese Stimme war für ihn die Stimme des Heiligen  Geistes! Er begann klarer zu sehen: Gott möchte eine religiöse Gemeinschaft, die sich ganz den Lehrlingen und jungen Arbeitern widmet! Das Ziel vor Augen, begann er in geradezu überstürztem Tempo, die nötigen Schritte zu unternehmen: Entwurf einer Ordensregel, Suche nach geeigneten Mitbrüdern, Errichtung des Klosters und der Klosterkirche – und dazu die Amtswege!
Am 17. August 1889 genehmigte der Kaiser die Ordensgemeinschaft, am 17. November wurde die Kirche eingeweiht und am 24. November 1889 mit der Einkleidung von P. Anton Maria Schwartz und fünf seiner Mitbrüder die „Kongregation der frommen Arbeiter unter dem Schutze des hl. Joseph Calasanz“, kurz Kalasantiner genannt, gegründet.
40 Jahre lang leitete P. Anton Maria Schwartz die Kongregation. Trotz unzähliger Schwierigkeiten entfaltete die Gemeinschaft ihr Wirken und wuchs zu einem kräftigen Baum. Der Ansturm im Lehrlingsoratorium konnte oft nur durch Aufnahmestopp bewältigt werden. Für Auswärtige wurde das erste Lehrlingsheim in Wien errichtet, weitere Niederlassungen wurden gegründet. Vereine wie das Herz-Jesu-Arbeiter-Oratorium und der Muttergottesbund trugen das Werk. Die Anfragen aus der ganzen Monarchie und dem Ausland übertrafen bei weitem die personellen Möglichkeiten – „die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenige Arbeiter!" – ein Wort, das P. Schwartz oft vor Augen stand.
Der erste Weltkrieg und der damit verbundene „Substanzverlust“ (die Brüder mussten einrücken, viele sind gefallen; die Niederlassungen in den Kronländern gingen verloren, ...) und der damit verbundene Mangel an Berufungen waren wohl die schwersten Prüfungen im Leben des seligen Ordensgründers.
Und doch hat alles nur dazu gedient, sein heiligmäßiges Leben noch klarer erstrahlen zu lassen. Dies wird vor allem durch die unzähligen Nachrufe bestätigt, wie z.B. das Wort des damaligen Erzbischofs von Wien, Kardinal Friedrich Gustav  Piffl: „Wir alle müssen der Vorsehung danken, dass sie uns den um die Arbeiter- und Jugendseelsorge so hochverdienten Mann so lange erhalten hat, bis sein Werk vollendet war und seine braven Söhne, in seiner Tradition erstarkt, sein Lebenswerk mit Zuversicht fortzusetzen vermögen. Ich zweifle keinen Augenblick, dass mit P. Schwartz ein Heiliger hinübergegangen ist und dass das jetzt so schwer heimgesuchte und bedrängte Wien bei Gott einen mächtigen neuen Fürsprecher erhalten hat.“
Wunderbar zeigt sich im Leben des seligen P. Anton Maria Schwartz wie durch das Zusammenwirken des Geistes Gottes mit dem gläubigen Gehorsam eines Menschen das Reich Gottes wachsen kann. Gott verherrlicht sich durch die Demütigen und Schwachen!
Der Autor ist Kaplan in der Pfarre Wien-Reindorf.


Schützt den Sonntag!
Pater Schwartz blieb sich treu und scheute nicht davor zurück, auch mutige Schritte zu wagen. Mit seinen Forderungen nach Ausbildungsplätzen für Jugendliche und nach einem arbeitsfreien Sonntag ist er bis in den Reichstag vorgedrungen.
Er hinterlässt uns eine Botschaft: Unternehmt alles, was Euch möglich ist, um den Sonntag zu schützen! Zeigt, dass dieser Tag zu Recht arbeitsfrei bleiben muss, weil er als Tag des Herrn gefeiert wird! Helft vor allem den Jugendlichen, denen das Recht auf Arbeit vorenthalten wird!
Wer dafür sorgt, dass die Jugend von heute Brot hat, der trägt dazu bei, dass die Erwachsenen von morgen ihren Kindern Sinn vermitteln können. Ich weiß, dass es dafür keine einfachen Lösungen gibt. Deshalb wiederhole ich ein Wort, unter das der selige Pater Schwartz seine vielfältigen Bemühungen gestellt hat: „Wir müssen mehr beten.“
Papst Johannes Paul II.

Aus der Predigt anlässlich der Seligsprechung von P. Schwartz in Wien am 21. Juni 1998

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