VISION 20006/2002
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Nur 1,8 Prozent überleben

Artikel drucken Die Präimplantationsdiagnostik

Die Präimplantationsdiagnostik ist ein Verfahren, bei dem in der Retorte gezeugte Kinder einem Gentest unterzogen werden. Die Absicht: Nur genetisch einwandfreie “Kinder" in den Mutterleib einzusetzen.

Dazu werden dem in der Regel vier- bis achtzelligem Embryo Zellen entnommen. Mit Hilfe von Chromosomen- oder Genanalysen lassen sich Geschlecht, Abweichungen von der üblichen Chromosomenzahl sowie molekulare Genveränderungen - noch vor der Rückübertragung in den Mutterleib - feststellen.

Ziel der Präimplantationsdiagnostik ist es, nur genetisch einwandfreie Embryonen auf die Mutter zu übertragen. Embryonen, die einen genetischen Defekt aufweisen, werden vernichtet - ein Ziel, das die PID-Befürworter auch gar nicht bestreiten.

So heißt es etwa im Geleitwort eines Berichtes der rheinland-pfälzischen Bioethik-Kommission vom Juni 1999, der die PID als rechtlich und ethisch unbedenklich einstuft, wörtlich: “Der außerhalb des Mutterleibs gezeugte Embryo kann in den ersten Tagen nach der Befruchtung auf bestimmte genetische Belastungen oder Chromosomenstörungen untersucht werden. Das Untersuchungsergebnis ermöglicht den Eltern die Entscheidung, ob der Embryo implantiert werden soll."

Im April 2001 hat die “European Society of Human Reproduction and Embryology" erstmals die Ergebnisse von 26 PID-Zentren in Europa, den USA und Australien vorgelegt. Die Auswertung bezieht sich auf den Zeitraum der Jahre 1993-2000.

Demnach hatten in den 26 PID-Zentren 886 Paare die Durchführung einer Präimplatationsdiagnostik verlangt. Das Ergebnis: 123 Geburten mit insgesamt 162 Kindern. Für jede dieser 123 Geburten wurden durchschnittlich 74 Eizellen befruchtet. Das heißt: De facto wurden zunächst 9.102 Menschen künstlich erzeugt. Doch nur 162 von ihnen - das sind 1,8 Prozent - haben das Licht der Welt erblicken dürfen. Erschreckend!

In 132 Fällen wurde zusätzlich zur PID noch eine invasive pränatale Diagnostik durchgeführt, um die PID nochmals zu überprüfen, wobei vier Fehldiagnosen entdeckt wurden. Daraufhin wurden zwei der betroffenen Kinder abgetrieben, die beiden anderen Kinder wurden mit Schädigungen zur Welt gebracht.

Darüber hinaus kam es zu sieben weiteren Abtreibungen, nachdem offenbar Schädigungen bei den Embryonen festgestellt worden waren, die mit der PID zuvor nicht erfaßt wurden. Neun weitere Kinder wurden im Mutterleib getötet, um Mehrlingsschwangerschaften - wie es im Fachjargon heißt - “zu reduzieren". Man nennt das auch “selektiven Fetozid".

Diese Zahlen belegen: Mit der PID wird menschliches Leben ganz klar kategorisiert: in genetisch einwandfreies und in genetisch fehlerhaftes Leben. Es scheint daher nicht übertrieben, wenn etwa der Vorsitzende der Arbeitsgruppe Recht der CDU/
CSU-Bundestagsfraktion Norbert Geis von der PID als einer Methode der “Zuchtauswahl mit Hilfe der Technik" spricht.

Wie salonfähig der mit der PID verfolgte Gedanke der Selektion bereits ist, zeigt (...) eine Studie des Büros für Technikfolgenabschätzung beim Deutschen Bundestag: 18,9 Prozent der Frauen würden ein Kind abtreiben, wenn bei einer Pränatalen Diagnostik eine Veranlagung zur Fettleibigkeit festgestellt würde. Weitere 36 Prozent würden zwar selbst nicht abtreiben, meinen aber, eine Abtreibung müsse auch in einem solchen Fall erlaubt sein.

Dr. med. Claudia Kaminski

Die Autorin ist Vorsitzende der “Arbeitsgemeinschaft Lebensrecht für alle" (Alfa), ihr Beitrag ein Auszug aus ihrem Vortrag beim HLI-Symposium “Nations United in Christ for Life" vom 10. bis 13. Oktober 2002 in Wien. Die Vorträge können bezogen werden bei: HLI- Österreich, Taborstr. 11a, A-1020 Wien, Tel: 01 2182033

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