VISION 20006/2002
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Eintreten für unsere Länder

Artikel drucken Christus wartet darauf, daß Ihm die Schuld der Welt gebracht wird (Von P. Bruno Meusburger COp)

Schwer ist die Last der Schuld, die auf den Ländern im Gefolge des jahrzehntelangen Tötens der Ungeborenen lastet. Sie vor das Kreuz zu tragen, ist der heilbringende Auftrag an Christen.

Durch die Taufe sind wir aufgenommen in die Kirche Jesu Christi. Die Kirche wird auch Gemeinschaft der Heiligen genannt. Im Weltkatechismus heißt es, daß in dieser Gemeinschaft der Heiligen auch eine Gütergemeinschaft besteht. In dieser Gütergemeinschaft gibt es auch einen Güteraustausch:

“In der Gemeinschaft der Heiligen besteht unter den Gläubigen, seien sie bereits in der himmlischen Heimat oder sühnend im Reinigungsort oder noch auf der irdischen Wanderschaft, in der Tat ein dauerhaftes Band der Liebe und ein überreicher Austausch aller Güter. In diesem wunderbaren Austausch kommt die Heiligkeit des einen den anderen zugute, und zwar mehr, als die Sünde des einen den anderen schaden kann. So ermöglicht die Inanspruchnahme der Gemeinschaft der Heiligen dem reuigen Sünder, daß er von den Sündenstrafen früher und wirksamer geläutert wird." (Nr.1475)

Das heißt: Wir sind nicht allein auf unserem Weg. Wir sind miteinander verbunden im Guten und im Bösen. Die Sünde des einen berührt alle anderen, und die Heiligkeit des einen wird allen anderen zum Segen. Deswegen können wir auch füreinander beten. Wir können die heilige Messe feiern und alle anderen mit einschließen in das Meßopfer Christi. Wir alle sind verbunden in dem einen Leib Jesu Christi.

Es gibt nicht nur die Schuldverflochtenheit der Menschheit, es gibt auch die Erlösungsgemeinschaft, es gibt die neue Menschheit der Kirche.

Jeder einzelne von uns kann für sein ganzes Land eintreten. Wir können stellvertretend für andere Gott um Verzeihung bitten. Wir machen das täglich im Vaterunser. Wir beten dort nicht: vergib mir meine Schuld, sondern wir beten: vergib uns unsere Schuld. Das heißt, ich bitte um Verzeihung für die Sünden der anderen. Und die anderen bitten um Verzeihung für meine Sünden. Wir sind miteinander verbunden, und das Schuldbekenntnis des einen gilt auch für den anderen.

Es gibt dafür schon im Alten Testament viele Beispiele. Ich möchte ein ganz bekanntes aus dem Propheten Daniel (Kap. 9) herausgreifen: Da hat der Prophet ein stellvertretendes Bußgebet für sein Volk vor Gott gebracht, für das Volk, das damals im Exil in Babylon lebte, denn es hatte das gelobte Land verlassen müssen, das durch seine Sünden verunreinigt worden war. Im Exil begannen sie, Buße zu tun. Sie haben Gott um Verzeihung gebeten - die einen haben für das ganze Volk gebetet:

“Ich betete zum Herrn, meinem Gott, legte ein Bekenntnis ab und sagte: Herr, wir haben gesündigt und Unrecht getan, wir sind treulos gewesen und haben uns gegen dich empört; von deinen Geboten und Gesetzen sind wir abgewichen. Wir haben nicht auf deine Diener, die Propheten, gehört. Du, Herr, bist im Recht; uns aber steht bis heute die Schamröte im Gesicht... Wie es im Gesetz des Mose geschrieben steht, ist all dieses Unheil über uns gekommen. Und doch haben wir den Herrn nicht begütigt, haben uns nicht von unserem bösen Tun abgewandt und nicht auf seine Wahrheit geachtet. Jetzt aber, Herr unser Gott, wir haben gesündigt, wir haben gefrevelt. Darum höre jetzt, unser Gott, das Gebet und Flehen deines Knechtes."

Jede Sünde, die begangen wird, muß gesühnt werden. Im Alten Testament mußte das Volk Gottes selbst büßen. Im Neuen Testament haben wir einen Erlöser gefunden. Jesus hat unsere Sünden auf sich genommen, er hat unsere Schuld getragen. Deswegen können wir Menschen von den Folgen der Sünde sehr schnell befreit werden. Wir dürfen all unsere Sünden, Sündenfolgen und Krankheiten Jesus geben. Er hat schon dafür gebüßt und gesühnt.

Ein Mensch muß so lange unter den Folgen seiner Sünden leiden, bis er sie Jesus bringt. Ein Land leidet so lange unter den Folgen der Sünden des Volkes, bis das Volk die Sünden Jesus bringt. So legen wir die Schuld symbolhaft unter das Kreuz. Wir haben die Gewißheit, daß Jesus die Schuld schon gesühnt hat. Er hat den Schuldschein am Kreuz schon zerrissen. Wir dürfen diese Erlösung in Anspruch nehmen.

In jeder heiligen Messe können wir die Schuld der Menschen hineintragen und Jesus unter das Kreuz legen. Sein kostbares Blut reinigt von allen Sünden. Es gibt keine Sünde, die Jesus nicht schon gelitten hat. Das Erlösungswerk ist schon vollzogen, muß aber noch für uns konkret umgesetzt werden.

Viele Menschen wissen nicht, daß sie einen Erlöser haben. Wir müssen ihnen den Erlöser bringen, und wir bringen sie zu ihrem Erlöser. Mit ihnen gemeinsam bringen wir auch ihre Schuld zu ihrem Erlöser. Und wir treten stellvertretend für sie ein und bitten Ihn um Verzeihung. Wir dürfen die Schuld der Welt zum Kreuz bringen, denn aus dem Herzen Jesu strömen ununterbrochen Blut und Wasser zur Reinigung von Schuld und Sünde. Er wartet darauf, daß wir Ihm die Schuld der Menschen bringen.

Wenn wir Ihm heute die Schuld unserer Länder bringen, dann fließt die Kraft des Meßopfers in unsere Länder, und die Menschen werden gewaschen und gereinigt. Der Berg von Schuld wird Stück für Stück abgetragen. Auf der ganzen Welt werden pro Tag rund 400.000 Messen gefeiert. In allen heiligen Messen wird die Schuld abgewaschen. Wenn es kein Meßopfer gäbe, würde die Welt heute nicht mehr stehen. Wenn die Menschen selbst all ihre Sünden ausbaden müßten, wäre die Welt schon lang untergegangen. Aber die Kraft Christi fließt ununterbrochen in die Menschheit und reinigt ständig von Schuld und Sünde.

Auch unser Papst Johannes Paul II. sagte dies am 12. März des Jubiläumsjahres 2000, als er einen großen Gottesdienst feierte und sieben große Vergebensbitten vor dem Kreuz Jesu ausgesprochen hat. Er hat stellvertretend für die gesamte Kirche und die ganze Kirchengeschichte Gott um Verzeihung gebeten für alles, was gegen die Liebe und gegen das Evangelium Jesu war. Es hat Gott gefallen - dieser Akt der Buße. So wollen auch wir wie der Papst für unsere Länder eintreten.

Auszug aus der Ansprache am 11. Oktober in der Kirche Maria vom Siege, Wien.

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