VISION 20003/2007
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Das Heil kommt von den Juden

Artikel drucken Ein bekehrter Jude bezeugt Jesus als Messias

Jetzt lese ich es zum zweiten Mal - mit Freude und Gewinn -, das Buch von Roy H. Schoeman Das Heil kommt von den Juden. Der Autor (siehe auch S. 22) ist ein auf wunderbare Weise zum katholischen Glauben bekehrter Jude. Das verleihe ihm eine einmalige Position, die wahre Bedeutung des Judentums zu untersuchen, erklärt er. Denn um “die Heilsgeschichte zu verstehen, muß man nämlich Christ sein..." Und als Jude sei er von früh an vertraut mit dem Bewußtsein der besonderen Berufung seines Volkes.

Diese besondere Rolle in der Heilsgeschichte bestehe darin, “sich erstens Gott ganz hinzugeben, bis hin zu einem einzigartigen, engen Bund zwischen ihm und Gott; zweitens durch seine Ergebenheit und Tugend Segen zu bringen, bis hin zum abschließenden Segen des Erlösers für die gesamte Menschheit; und drittens die prophetische Vorwegnahme der späteren Heilsgeschichte durch seine eigene Geschichte." Vor allem aber sollten die Juden das Volk sein, in dem “Gott als Mensch erscheint".

Letztlich hätten die Juden ihre Aufgabe erfüllt, meint Schoeman. Die Masse habe zwar “Kreuzige ihn" gerufen, aber “ein treuer Rest" habe den Messias erkannt. So habe sich zu Zeiten Jesu das fortgesetzt, was schon die ganze Heilsgeschichte gekennzeichnet habe: “Gott hat immer durch solche kleinen ,treuen Überbleibsel' gehandelt." Auch wenn die große Mehrheit der Juden Jesus nicht als Messias erkannt hat, so habe Gott den Segen, den er den Nachkommen Abrahams (“Abrahams Samen") verheißen hatte, nicht zurückgezogen.

Wichtig, den Christen in Erinnerung zu rufen: “Bei ihrer Gründung war die Kirche gänzlich jüdisch." Tatsächlich: Maria, die Apostel, die Jünger, die Frauen - sie alle waren Juden. Selbst zu Pfingsten waren “nur Juden und jüdische Proselyten (...) bei dieser Geburt der Kirche anwesend." Eine Kette von Wundern war notwendig, um der jungen Kirche bewußt zu machen, daß auch die Heiden berufen waren.

Besonders gefallen hat mir das Kapitel über “Die messianische Idee im Judentum", eine lesenswerte Darstellung der Prophezeiungen im Alten Testament, die sich auf den Messias beziehen: Wann mit Seinem Auftreten zu rechnen sein würde; wo und durch wen Er geboren werden sollte; welchen Auftrag Er haben würde; wie sich Sein Leiden und Sein Tod darstellen sollte... In ähnlicher Weise muß Jesus den Emmaus-Jüngern den Sinn der Schrift erschlossen haben.

Zwei Kapitel widmen sich dem Thema Holocaust und Weltanschauung des Nationalsozialismus. Schoeman zeigt, daß die mörderische Judenverfolgung durch Hitler-Deutschland ihre Wurzeln nicht im Christentum, sondern in der neuheidnischen Weltanschauung der “Nazi-Religion" hatte - eine Darstellung über fast 100 Seiten, die meinem Geschmack nach zu ausführlich geraten ist.

Interessant hingegen das Kapitel über “Antisemitismus nach dem Holocaust", in dem das Spannungsfeld zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn thematisiert wird: Zur Sprache kommt auch die Rolle des Islam in dieser Konfrontation. Bedenkenswert die Feststellung: “Von allen großen Religionen der Welt entstand nur der Islam, nachdem sich Gott der Menschheit durch Seine Inkarnation in Jesus Christus vollständig offenbart hatte. (...) Nur die Offenbarungen des Islam kamen nach Christus, in Kenntnis des Christentums und ihm doch widersprechend. Also muß man sich fragen, was der Ursprung dieser Offenbarung war - war sie menschlichen oder übernatürlichen Ursprungs? Wenn sie übernatürlich war - kam sie von Gott oder von gefallenen Geistern? Einem Christen fällt angesichts der Widersprüche dieser Offenbarung zum Christentum die Vorstellung schwer, daß ihr Ursprung Gott sei."

Sehr berührend das Kapitel “Die Rückkehr der Juden" mit Zeugnissen von Juden, die zum Teil auf wunderbare Weise zum Glauben an Jesus Christus gefunden haben: Alphonse Ratisbonne, Rabbi Zolli, Charlie Rich (siehe S. 23), Kardinal Lustiger, Edith Stein...

Bemerkenswert, daß viele von ihnen den Eintritt in die katholische Kirche nicht als Bekehrung ansahen, sondern “als ein Ans-Ziel-Kommen zur endgültigen Fülle des Judentums und ihrer Identität als Juden". Und die meisten von ihnen seien “von einem Feuer erfüllt (gewesen), ihre Freude darüber, den Messias gefunden zu haben, ihren Mitjuden mitzuteilen."

Seit Jahrzehnten komme es zu einer Welle jüdischer Bekehrungen wie zu keiner anderen Zeit, berichtet Schoeman abschließend. Zahllose Juden nehmen Jesus als Messias an (1989 wurde ihre Zahl weltweit auf 350.000 geschätzt) und finden sich in Messianischen Synagogen zusammen.

Wie gesagt: Ein lesenswertes Buch, das einer heute in manchen katholischen Kreisen vertretenen Ansicht, Juden bedürften nicht der Verkündigung der Frohbotschaft, entschieden und zurecht entgegentritt.

Christof Gaspari

Das Heil kommt von den Juden. Gottes Plan für sein Volk. Von Roy H. Schoeman, Sankt Ulrich-Vlg, Augsburg 2007, 326 Seiten, 19,90 Euro.

Diese und andere Bücher können bezogen werden bei: Christoph Hurnaus, Waltherstr. 21, 4020 Linz, Tel/Fax: 0732 788 117; Email: hurnaus@aon.at

Siehe auch das Interview mit dem Autor in dieser Ausgabe im Artikel "Sie warten noch auf den  Messias"

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