VISION 20002/2011
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Auf die Fürsprache des Papstes geheilt

Artikel drucken Sr. Marie Simon-Pierre war schwer an Parkinson erkrankt… (Sr. Marie Simon-Pierre)

Soeur Marie Simon-Pierre war schwer an Parkinson erkrankt. Ihre Mitschwestern haben auf die Fürsprache von Papst Jo?han?nes Paul II. um ihre Heilung gebetet. Seit 2. Juni 2005 sind alle Symptome der Erkrankung verschwunden. Diese Heilung wurde als Wunder im Rahmen des Seligsprechungsprozesses für Papst Johannes Paul II. anerkannt. Im folgenden Auszüge aus einem Interview, das sie dem französischen Fernseh?sender KTO und RAI Vaticano gewährt hat.

Wie geht es Ihnen?
Sr. Marie Simon-Pierre:
Wie Sie sehen, sehr gut.

Bevor wir auf Ihre Heilung zu sprechen kommen, können Sie uns vielleicht etwas über Ihren Lebensweg sagen?Sr. Marie Simon-Pierre: Ich komme aus einer Familie mit fünf Kindern, aus dem Norden Frankreichs, der Nähe von Cambrai. Wir waren praktizierende Katholiken. Meine Schulzeit habe ich wie alle anderen Jugendlichen verbracht…

Wie war das mit Ihrer Ordensberufung?
Sr. Marie Simon-Pierre
: Den ersten Anruf hatte ich schon, als ich ganz klein war. Das habe ich aber für mich behalten. Ich war die älteste und 9 Jahre alt, als meine jüngste Schwester zur Welt kam. Sie hat mich fasziniert. Sie hatte etwas Strahlendes an sich, irgendwie die Gegenwart Jesu stand ihr ins Gesicht geschrieben. Bei meiner Firmung hatte ich den Gedanken, mich ganz Gott zu schenken. Während meiner Jugendzeit habe ich dann kaum mehr daran gedacht. Meine Ausbildung habe ich mit einem Diplom für den Gesundheits- und Sozialdienst abgeschlossen. Im Anschluß daran habe ich ein Praktikum bei den „Petites Soeurs“ gemacht, um ihr Leben näher kennenzulernen. (…) 1981 war ich mir dann sicher: Du sollst bei den „Petites Soeurs“ eintreten. Und das habe ich dann – nach einer weiteren Bestätigung während einer Anbetung – auch getan. Und bin sehr glücklich über meine Entscheidung.

Was ist das besondere Charisma Ihrer Gemeinschaft?
Sr. Marie Simon-Pierre
: Sie steht im Dienst des Lebens und der Familie. Es gibt mehrere Niederlassungen, von denen wir aus Familien begleiten.

Wenn wir nun auf Ihre Krankheit zu sprechen kommen: Sie haben gesagt, daß es Ihnen schwerfiel, das Parkinson-Leiden von Papst Johannes Paul II. im Fernsehen zu sehen. Aber sie hätten seine Kraft und seinen Mut bewundert. Können Sie dazu etwas mehr sagen?
Sr. Marie Simon-Pierre
: Mir ist Johannes Paul II. zunächst sehr nahegestanden, ich sah in ihm fast so etwas wie einen Freund. Daher habe ich ihn anfangs auch sehr gern im Fernsehen gesehen. Als ich erfuhr, daß ich an Parkinson erkrankt war, mußte ich sofort an Johannes Paul II. denken. Er war dann für mich ein Vorbild und hat mir Mut gemacht, auf meinem Weg voranzuschreiten. Man hat mir zwar geraten, nur von Tag zu Tag zu leben. Es war aber oft auch schwierig, nicht an die Zukunft zu denken. Dem Papst zuzuschauen, fiel mir vor allem in seinem letzten Lebensjahr schwer. Da sah ich in seinem Leiden, was mir in den nächsten Jahren bevorstehen würde. Dennoch fühlte ich mich ihm verbunden, auch nach seinem Tod.

Haben Sie ihn bei seinem letzten Ostersegen gesehen?
Sr. Marie Simon-Pierre
: Nein, da war ich verhindert.

Und das Begräbnis?
Sr. Marie Simon-Pierre
: Das habe ich mitverfolgt – mit der ganzen Gemeinschaft. Es war ein starkes, bewegendes Erlebnis, das ich weiter im Herzen trage.

Welche Gedanken haben Sie da bewegt?
Sr. Marie Simon-Pierre
: Daß ich einen Freund verloren hatte. Johannes Paul II. hat mir irgendwie die Kraft weiterzukämpfen vermittelt. Seinen außergewöhnlichen Mut habe ich immer schon bewundert. Ich habe von da an zwar nicht resigniert, aber es kam zu einer massiven Verstärkung der Symptome. Oft war ich richtig erschöpft. Aber, wie gesagt, ich fühlte mich auch nach seinem Tod mit ihm verbunden.

Als sich ihre Krankheit rapid verschlechterte, haben Ihre Mitschwestern für sie zu beten begonnen…
Sr. Marie Simon-Pierre:
Alle, in allen Häusern, auch in Afrika. Sie haben eine Novene zu Johannes Paul II. gebetet. Ich habe auch mitgebetet. Ab dem 14. Mai hat sich mir dieser Satz aufgedrängt: Wenn du glaubst, wirst du die Herrlichkeit Gottes sehen.

Kommen wir zum 2. Juni, ein für Sie wichtiges Datum. Was hat sich da ereignet?
Sr. Marie Simon-Pierre
: In der Nacht vom 2. auf den 3. Juni bin ich geheilt worden. Am Morgen des 2. Juni war ich mit meinen Kräften am Ende. Ich bin zu Sr. Marie Thomas gegangen, um sie darum zu bitten, mich von meinem Dienst zu entbinden. Ich war dort für eine Abteilung der Frauenklinik verantwortlich und sah mich meiner Aufgabe nicht mehr gewachsen. Wir hatten dann ein langes Gespräch in ihrem Büro, in großem Frieden. Sie bat mich, den Namen von Johannes Paul II. auf ein Papier zu schreiben. Dabei konnte ich vor lauter Zittern schon lange nicht mehr richtig schreiben. Aber ich habe ihr gefolgt. Das Ergebnis war unleserlich. Ich stand auf, um zu sagen: Wir müssen also an ein Wunder glauben.
Am Abend war dann das übliche Programm: Vesper, gemeinsames Essen, Abendgebet in der Kapelle… Als ich in mein Zimmer gekommen bin, hatte ich Lust, etwas zu schreiben, ein kurzes Wort Gottes. Als ich auf das Papier blickte, war ich verblüfft: Am Nachmittag total unleserlich – und jetzt richtig schön. Dann habe ich mich niedergelegt und bin ganz gegen meine sonstige Gewohnheit rasch eingeschlafen. Sonst hatte ich nämlich stets ziemliche Schmerzen, die Muskeln, die Steifheit… Ich schlief nämlich fast immer wenig und schlecht.
Um halb vier bin ich aufgewacht und aufgestanden – und habe sofort gewußt, daß ich nicht mehr dieselbe war. Eine große Freude, ein tiefer innerer Frieden hatten mich erfaßt und ich spürte eine große Unbeschwertheit und Gelenkigkeit in meinen Bewegungen. Ich habe mich schnell fertiggemacht (die Gemeinschaft war ja noch nicht wach) und bin beten gegangen. Es drängte mich danach, vor dem Allerheiligsten zu beten. Ich habe den Tabernakel geöffnet, war von Freude erfüllt und habe die von Johannes Paul II. eingeführten lichtreichen Geheimnisse des Rosenkranzes gebetet. Später ist mir aufgefallen, daß mein linker Arm, der sonst reglos hinabhing, sich beim Gehen hin- und herbewegte. Nach der Heiligen Messe, die ich in tiefem Frieden in der Gemeinschaft gefeiert habe, war ich sicher: Ich bin geheilt.
Ich bin nicht zum Frühstück sondern in mein Zimmer, um festzustellen, daß ich wirklich wieder ganz normal schreiben konnte. In meiner Abteilung habe ich dann die Aufgaben für eine fehlende Mitarbeiterin übernommen. Ich bewältigte Dinge, zu denen ich seit langem nicht mehr fähig war. Ab Mittag habe ich keine Medikamente mehr genommen. Ich wußte: die brauche ich nicht mehr. Um 14 Uhr habe ich Sr. Marie Thomas informiert und ihr gezeigt, was ich geschrieben hatte, um zu belegen: Ich war auf die Fürsprache von Johannes Paul II. geheilt worden.

Sie waren ganz sicher?
Sr. Marie Simon-Pierre
: Ja. Für mich war das klar. Das ist schwer zu erklären. Wenn man krank ist, schwer gehen kann, die Steifheit im ganzen Körper spürt – und plötzlich, nach einer Nacht, verfügen Sie wieder über alle Fähigkeiten, die Sie ursprünglich hatten, dann erleben Sie das wie eine zweite Geburt. Plötzlich entdeckt man den eigenen Leib wieder. Heute noch denke ich manchmal: Es ist eigentlich unglaublich, daß Du jetzt schreiben, Dinge tragen und heben kannst…

Wie ist es dann weitergegangen?
Sr. Marie Simon-Pierre:
Die Generaloberin ist informiert worden. Am 7. Juni war ich beim Neurologen und dann wurden auch die Mitschwestern informiert. Beim Neurologen war ich zu einer Routineuntersuchung. Er hat mich beim Hineingehen in sein Büro und beim Niedersetzen beobachtet und sofort gefragt, was ich getan hätte. Ob ich die Dopamindosis verdoppelt hätte. Im Gegenteil, gab ich zur Antwort: Ich hatte die Einnahme komplett eingestellt. Und dann habe ich ihm alles erzählt. Er hat mich untersucht und keinerlei Symptome festgestellt. Wie gesagt: Danach wurden alle Mitschwestern informiert und gebeten, es geheim zu halten.

Hat sich Ihr Leben durch all das sehr verändert?
Sr. Marie Simon-Pierre
: Ja, es ist nicht nur leiblich eine neue Geburt, sondern auch geistig. Ich bin mittlerweile in ein neues Haus, eine neue Klinik übersiedelt. Da mußte ich mich körperlich sehr anstrengen, was ich gut bewältigt habe. Alles vorher undenkbar. Und all das in der Freude, den Familien wieder dienen zu können. Jeden Tag mache ich mir bewußt, was ich jetzt alles zustande bringe. Und für all das bin ich sehr dankbar, immer wieder danke ich Gott. Bei den gemeinsamen Got?tesdiensten sprechen mich natürlich die Stellen, die von Heilungen berichten, besonders an. Mein Glauben hat sich sehr verinnerlicht. Die Eucharistiefeier und die Anbetung haben eine besondere Bedeutung gewonnen.
Ich bekomme jetzt viele Briefe von Kranken, die mich und alle „Kleinen Schwestern“ um Gebet bitten. Und wir tragen sie Tag für Tag gemeinsam mit großem Mitgefühl vor Gott.

Und wie hat das Ihren Dienst verändert?
Sr. Marie Simon-Pierre
: Hin zu mehr Offenheit für die Familien, die ich begleite, für die Kranken, die mir begegnen. Ich versuche, Hoffnung zu machen. Zu sagen: Ich bin sicher, auch wenn man sehr lange warten muß, es wird einem das Licht geschenkt.
Warum wurden Sie, nicht jemand anderer geheilt?
Sr. Marie Simon-Pierre: Das weiß ich nicht. Ich habe mir natürlich auch diese Frage gestellt. Schließlich gibt es so viele Kranke, Krebskranke, Parkinsonkranke, denen es schlechter geht, als es mir gegangen ist. Warum ich? Es bleibt ein Geheimnis.

Haben jene, die um Ihre Heilung wissen, nicht große Erwartungen an Sie?
Sr. Marie Simon-Pierre:
In den Briefen, die ich bekomme, und in den Begegnungen, die ich habe, kommt eigentlich nie eine Auflehnung zum Ausdruck, etwa nach dem Motto: Warum Sie und nicht ich? Vielmehr wird viel Dankbarkeit darüber geäußert, daß diese Heilung überhaupt stattgefunden hat. Ich bin erstaunt, wie viele Leute sich über meine Heilung freuen. Die meisten Briefe bitten dann um Gebet, um Begleitung, daß Gottes Wille geschehen möge.


Haben Sie jetzt eine engere geistige Beziehung zu Johannes Paul II.?
Sr. Marie Simon-Pierre:
Ja. Ich hatte gedacht, einen Freund verloren zu haben, um dann zu begreifen, daß er mir, ja meiner Gemeinschaft, die sich ganz dem Dienst an den Familien verschrieben hat, nahe ist. Er hat sich ja so sehr für den Schutz des Lebens eingesetzt, hat sich so den kranken und behinderten Menschen zugewendet – man mußte ihn ja nur bei Begegnungen mit ihnen beobachten. Er ist mir sehr nahe. Ich rechne mit seiner Fürsprache.

Erschreckt Sie die Aufmerksamkeit der Medien, die Bekanntheit, da doch Ihre Heilung die Voraussetzung für die Seligsprechung dieses besonders geliebten Papstes war?
Sr. Marie Simon-Pierre
: Derzeit nicht. Ich denke Gott gibt täglich die Gnade für den jeweiligen Tag.

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