VISION 20002/2011
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Heilig, spontan und mit Tiefgang

Artikel drucken Ein großer Evangelisator (Davide Dionisi; Camillo Ruini)

Als Generalvikar für die Diözese Rom hat Kardinal Ruini jahrelang eng mit Papst Johannes Paul II. zusammengearbeitet. Im folgenden ein paar Eindrücke, die er in diesen Jahren der Zusammenarbeit gesammelt hat.

Wie haben Sie die Nachricht von der Seligsprechung Papst Johannes Paul II. erlebt?
Kardinal Camillo Ruini:
Das war eine große Freude, eine persönlich tief erlebte – nach so vielen Jahren, in denen mir die Gnade zuteil wurde, unmittelbar mit Johannes Paul II. zusammenzuarbeiten, mit einer Person, die die Kirche jetzt offiziell seligspricht, was ja der erste Schritt zur Heiligsprechung ist.

Sie sind schon lange, seit 1984 mit Johannes Paul II. in engem Kontakt gewesen. Woran erinnern Sie sich besonders, wenn Sie an die Persönlichkeit von Papst Wojtyla denken?
Ruini
: Was mich am meisten beeindruckte, war die Heiligkeit, Tiefe und zugleich Spontaneität seiner Beziehung zu Gott – seine Art zu beten, überhaupt sein Gebet und seine Fähigkeit, sich in das Gebet zu vertiefen. Und dann ein Grundverhalten, das sich dadurch auszeichnete, alle Dinge, um die er sich kümmerte, über die er sprach, immer vollständig in seine Beziehung zu Gott miteinzubeziehen.

Was waren, Ihrer Ansicht nach, die kennzeichnenden Merkmale seines Pontifikats?
Ruini:
Vor allem die Evangelisation. Wir erinnern uns an seine Worte gleich zu Beginn: „Fürchtet euch nicht! Reißt die Tore weit für Christus auf!“ Die Gegenwart Gottes, die Gegenwart Jesu Christi, die Wiederbelebung des Glaubens; er war persönlich ein großer Evangelisator von den römischen Pfarren bis hin zu allen Ländern der Welt. Er war auch ein großer Förderer jener Kräfte, die innerhalb der Kirche imstande waren zu evangelisieren. Und zweitens hatte diese Evangelisation den konkreten Menschen im Auge, dementsprechend auch das Mitgefühl für den konkreten Menschen: Christus, den Erlöser des Menschen. Und dann der weitere berühmte Satz: Der Mensch ist der Weg der Kirche und auf diesem Weg, der von Christus zum Menschen führt, kann die Kirche von niemandem aufgehalten werden. Mit dieser Perspektive ist es gelungen, sogar den Lauf der Geschichte stark zu beeinflussen: Wie sehr hat sich doch die Welt verändert!
Auch Benedikt XVI. hat diese Botschaft weitergetragen, gewissermaßen das Erbe angetreten…
Ruini: Ich denke, daß Benedikt XVI. – er war ja der wichtigste Mitarbeiter von Johannes Paul II – natürlich der echte und schöpferische Erbe ist, aber er ist auch der große Erbe dieses Pontifikats, das er nun fortsetzt. Durch beide Pontifikate zieht sich eine tiefreichende Kontinuität.

Davide Dionisi im Gespräch mit Kardinal Camillo Ruini, ehemals Kardinalvikar für die Diözese Rom und Vorsitzender der Italienischen Bischofskonferenz.
www.radiovaticana.org - 23 gennaio 2011

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