VISION 20002/2011
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Die leise Diktatur

Artikel drucken Über das Schwinden der Freiheit in der heutigen Gesellschaft (Michael Müller)

Mitten im Wohlstand wächst das Unbehagen im reichen Westeuropa. Das Selbstverständnis, mit dem man vom grenzenlosen Fortschritt geträumt hatte, ist geschwunden, die Krisenanfälligkeit der Wirtschaft offenkundig geworden, die Bedrohung durch Terrorismus bereitet den Boden für ein engmaschiges Kontrollsystem, zerfallende Familien produzieren Ungeborgenheit und psychische Belastung, die spürbare Hilflosigkeit der Politik und deren Anfälligkeit für Korruption untergraben die Fundamente der Demokratie…
All diese Phänomene – und einiges mehr – werden in dem Buch „Die leise Diktatur – Das Schwinden der Freiheit“ ausführlich angesprochen. Auf 540 Seiten kommen 21 Autoren zu unterschiedlichen Themen zu Wort: Michael Müller, der Herausgeber des Werkes, Jürgen und Nathanael Liminski, Andreas Püttmannn, Armin Schwibach, Udo Ulfkotte…
Hanna Pabst, Geschäftsführerin eines mittelständischen Unternehmens, illustriert die Gefahren, die mit der wachsenden Erfassung von Daten verbunden sind. Stimmt es nicht bedenklich, daß die USA Zugriff auf die Bankverkehrsdaten in der EU haben können? Daß die Nummern unserer Telefongesprächspartner und die Dauer unserer Gespräche gespeichert werden, die Orte, von denen wir aus einen Handy-Anruf getätigt haben? Und wer garantiert, daß mit dieser Information kein Mißbrauch getrieben wird?
Martin Kastler, Abgeordneter im EU-Parlament, schreibt über den wachsenden Einfluß aus Brüssel kommender Weichenstellungen. Langsam aber sicher werden dadurch die Gesetze in den EU-Ländern gleichgeschaltet. Fragwürdig ist das vor allem in Bereichen, in denen die EU eigentlich gar keine Kompetenzen hat. „Kommission und andere europäische Institutionen“ machten sich zu „Bannerträgern“ und „Motoren eines Wandels der öffentlichen Meinung“. Sie regulierten in gewisser Weise die Moral, so die Kritik. Antidiskriminierung ist das Instrument, das dabei zum Einsatz komme.
Alexandra Maria Linder, Autorin der Buches „Geschäft mit der Abtreibung“ beschreibt den tief reichenden Gesinnungswandel, der sich mittlerweile durch die gängige Praxis von Abtreibung und Euthanasie in Europa etabliert hat. „Das ist der internationale Trend: Abtreibung als verbrieftes Menschenrecht unter dem Deckmantel der Freiheit und mit gleichzeitiger Abschaffung des Lebensrechts für Kinder vor der Geburt.“ Welche Unmenschlichkeit dies produziert, zeigt folgendes Zitat: „Abgetriebene Kinder werden in mehreren Staaten vollständig ausgeschlachtet, damit das vorhandene ,Material’ gewinnbringend verwendet werden kann. Hierzu gehören neben Hirn-, Leber-, und Nierenzellen auch ganze Organe zur Transplantation, wenn das Kind älter als zwölf Wochen war.“
Mehrere Beiträge beschäftigen sich mit dem Thema „Ehe und Familie“, mehrere mit den Bereichen „Integration und Islam“, „Kirche und Kulturkampf“, „Politik und Medien“.
Das Verdienst dieses im MM-Verlag erschienenen Buches ist eine umfassende Analyse unserer heutigen gesellschaftlichen Situation aus einem Blickwinkel, den uns die vorherrschenden, gleichgeschalteten Medien vorenthalten. Es ist ein wirksames Mittel gegen die auf breiter Front vorangetriebene Uniformierung der Meinungen. Insofern möchte ich seine Lektüre empfehlen – allerdings vor allem glaubensstarken Lesern. Denn wer die 540 Seiten gelesen hat, kann aufgrund der schonungslosen Analyse der Zeiterscheinungen leicht in Depression verfallen. Da braucht es schon ein unerschütterliches Vertrauen, daß Jesus Christus Herr der Geschichte ist, daß Er uns Mut und Einsicht schenkt, um in diesem bedrohlichen Umfeld bestehen und aus den heutigen Sackgassen herausfinden zu können.

Christof Gaspari

Die leise Diktatur – Das Schwinden der Freiheit. Von Michael Müller (Hrsg). mmVerlag, Aachen 2010, 540 Seiten, 22,90 Euro.

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