VISION 20006/2011
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„Man muss Gott nur sehen wollen“

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Der Mann am Straßenrand sah sorgenvoll aus. In der einen Hand hielt er eine Reisetasche, der Daumen der anderen reckte sich zum Autostopp. Der Fernfahrer Luis sah ihn schon von Weitem und bremste. Der Mann stieg zu.
„Sind Sie allein?“, fragte er. Luis wollte „ja“ antworten, dann sah er auf das Bild von Pater Pio. „Nun“, meinte er, „eigentlich fahre ich nie allein.“ Der Mann sah nach hinten, aber da war niemand. Fragend schaute er Luis an. Luis fuhr um eine Kurve, hupte kurz und sagte: „Ich bin nie allein. Gott ist immer bei mir. Man muss Ihn nur sehen wollen. Und wenn ich an einer Kirche vorbeifahre, so wie eben, dann hupe ich kurz, um Ihn zu grüßen, damit Er sich im Tabernakel nicht so verlassen vorkommt.“
Der Mann erschrak. Sekundenlang starrte er Luis an. „Halten Sie an“, sagte er mit bebender Stimme. „Halten Sie an! Ich muss zurück. Ich bin der Priester hier im Ort. Ich wollte gerade abhauen.“
Luis, der Fernfahrer, lebt in der Gegenwart Gottes, egal wo er ist und wohin er fährt. Seine einfache Treue in den kleinen Dingen hat die Berufung dieses Priesters gerettet. (…)
Der Priester im Lastwagen von Luis war überfordert mit den fünf Pfarreien, die er zu leiten hatte, mit den engherzigen Streitereien unter Gläubigen, mit der Einsamkeit. Er hatte aufgehört zu beten, seine Kraftquelle war verschüttet.
So wie Luis können wir mit unserer Treue im Gebet, mit unserer Freude als Kinder Gottes helfen, die erste Liebe, das bange und frohe Ja in den Herzen der Priester lebendig zu halten. Wie oft ist auch hier Kirche in Not!

P. Joaquin Alliende
Der Autor ist Präsident von „Kirche in Not – Ostpriesterhilfe“. Der Beitrag ist ein Auszug aus „Echo der Liebe“ 7/2011.

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