VISION 20006/2011
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Das Todesurteil

Artikel drucken Ein Muslim bekehrt sich im Irak

Ein steiler Einstieg“, stellte mein jüngster Enkel Benjamin fest, nachdem er das erste Kapitel von „Das Todesurteil“ gelesen hatte. Auf den ersten Seiten des Buches schildert der Autor nämlich, wie ihn seine Verwandten zunächst auf einer Wüstenstraße in Jordanien bedrängen, dann zu erschießen versuchen und ihn schließlich schwer verwundet liegen lassen. Sein „Vergehen“: Er hatte sich vom Islam zum Glauben an Jesus Christus bekehrt und taufen lassen. Und er war nicht bereit, diesem Glauben abzusagen.
Deswegen war er auch aus seiner Heimat, dem Irak, geflohen, um im Nachbarland nur mehr auf die Ausreise nach Europa zu warten. Um diese große Schande von der Familie abzuwenden, waren ihm aber seine Verwandten nachgereist – und hätten auch beinahe Erfolg gehabt…
13 Jahre liegen zwischen diesem Ereignis und dem Beginn der Bekehrungsgeschichte von Joseph Fadelle (ein Pseudonym) – eine spannend erzählte Geschichte. Da steht am Anfang die Begegnung zwischen dem Autor, einem überzeugten Muslim und Massoud, einem Christen. Beide waren zur Armee Saddam Husseins einberufen worden und mussten nun das Zimmer miteinander teilen – sehr zum Verdruss von Fadelle, der es unter seiner Würde fand, mit einem Ungläubigen zusammengespannt zu werden. Er würde diesen schon zum wahren Glauben bekehren…
Aber es kommt anders, wie schon der Untertitel des Buches „Als ich Christ wurde im Irak“ verrät. Erste Zweifel keimen auf, als ihn sein christlicher Kollege dazu animiert, den Koran zu lesen – und zwar ernsthaft! „Versuche, ihn wirklich mit deinem Verstand zu begreifen“, animiert ihn Massoud. Wie Schuppen fällt es dem jungen Muslim da von den Augen: die vielen Ungereimtheiten! Entsetzt muss er hören, dass ihm der um Rat gefragte Ayatollah, rät, sich keine unnützen Fragen zu stellen, eine Antwort, die wiederum meinem Enkel Paul, der das Buch weiter gelesen hatte als Benjamin, in Erinnerung geblieben ist: Welch Armutszeugnis!
Wesentlich beteiligt an Fadelles Bekehrung ist ein Traum, der in ihm eine unbändige Sehnsucht nach dem „Brot des Lebens“ weckt. Was damit gemeint ist, entdeckt er, als er am folgenden Tag im Neuen Testament, das der Zimmergenosse ihm schenkt, bei Johannes nachliest. Diese Sehnsucht wird zum Antrieb für das Durchstehen eines unfassbaren Hindernislaufes, um endlich sein Ziel: Taufe und Empfang der Heiligen Eucharistie, zu erreichen.
Dabei nimmt er in Kauf, auf seine Sonderstellung als Nachfolger des Oberhaupts einer großen renommierten Familie zu verzichten. Er steckt die jahrelange Ablehnung der christlichen Gemeinden in Bagdad weg. Aus Angst vor Repressionen wollten diese nämlich nur ja nichts mit einem Muslim zu tun haben. Selbst der Patriarch schmeißt in aus dem Haus. Man bedenke: Und das zur Zeit Saddams, von der heute gesagt wird, damals sei es den Christen vergleichsweise gut gegangen!
Die Zurückhaltung der Christen versteht man allerdings, wenn man liest, wie es Fadelle erging, als seine Familie erfährt, dass er in der Heiligen Schrift liest. Da gibt es kein Pardon: Er wird vor die versammelte Familie zitiert. Die Meinung ist fast einhellig: sofort umbringen. „Tötet ihn und werft ihn in den Basel (den Abwasserkanal)!“ erklärt seine Mutter kalt. Dass er überlebt, verdankt er dem Umstand, dass er guten Gewissens behaupten kann, kein Christ zu sein. Dafür landet er im berüchtigten Gefängnis Abu Graib, wo man aus ihm die Namen der Christen herausprügeln will, mit denen er Kontakt gehabt habe – monatelang…
Als er unerwartet entlassen wird, nimmt ihn die Familie wieder auf – als sei nichts gewesen. Nur wird er ab da genauer beobachtet… Seine Sehnsucht nach dem „Brot des Lebens“ bleibt jedoch trotz allem die Triebfeder seines Handelns. Mit seiner Frau – auch sie bekehrt sich im Gefolge eines Traumes – beschließt er: Der einzige Ausweg ist die Flucht aus der geliebten Heimat, der Familie, der vertrauten Umgebung…
Fadelles Buch ist nicht nur eine spannende Lektüre – ich habe es in einem Zug gelesen –, sondern es ist vor allem ein bewegendes Glaubenszeugnis. Es rüttelt auf. Macht deutlich, welche Schätze die Sakramente darstellen. Welche Seligkeit erlebt der Autor, als er endlich das Brot des Lebens empfängt! Was hat er dafür nicht alles auf sich genommen!
Folgende Sätze gibt er dem Leser am Ende seines Rückblicks mit: „Christi Liebe hat in all diesen Jahren nicht einen einzigen Tag lang nachgelassen. Er hat mir den Mut und die Geduld geschenkt, immer weiterzugehen und nicht zu verzweifeln. Ich bin sogar stolz darauf, dass ich durch die durchlittenen Verfolgungen und vor allem durch den Anschlag auf mein Leben Zeugnis für meinen christlichen Glauben habe ablegen können. Ich habe zumindest versucht, meinen Brüdern die Nichtigkeit ihres Glaubens aufzuzeigen…“ Eine Ermutigung für schwierige Zeiten, die möglicherweise auch auf uns zukommen.

Christof Gaspari
Das Todesurteil. Als ich Christ wurde im Irak. Von Joseph Fadelle, St. Ulrich Verlag, 224 Seiten, 20,60 Euro

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