VISION 20006/2005
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Typisch Mann!

Artikel drucken Über die besonderen Begabungen des Mannes

Jeder kennt den Ausspruch: “Typisch Mann!" Meist wird er vorwurfsvoll geäußert, wenn ein männliches Wesen sich in einer Situation als unsensibel, dominant oder aggressiv erweist. Aufgeklärte Zeitgenossen erwidern dann, das sei ein längst überwundenes Rollenklischee. Was stimmt nun? Wer die Forschungsergebnisse über Geschlechtsunterschiede unter die Lupe nimmt, erkennt, daß es gut gesicherte Erkenntnisse über Sonderbegabungen gibt. Im folgenden ein Blick auf einige dieser Aspekte.

Männer sind auf Effizienz programmiert. Das heißt: Sie sind darauf ausgerichtet, möglichst wirkungsvoll und rasch, Anstrengungen in Leistung umzusetzen. Das fängt schon bei ihrem Körperbau an: Sie sind größer (im Durchschnitt um zwölf Zentimeter), schwerer (um rund 15 Prozent), was im wesentlichen auf den höheren Anteil an Muskelmasse zurückzuführen ist. Sie sind daher überlegen bei Aktivitäten, die Krafteinsatz erfordern. Weil sie festere Knochen und Bänder haben, sind sie zu größerer Kraftanstrengung fähig und sie haben weiters den Vorteil, sich bei gleicher körperlicher Leistung weniger anzustrengen. Das hat mit ihrem Kreislauf zu tun: Sie haben ein größeres Herz, das mehr Blut durch den Körper pumpt (fünf gegenüber 3,8 Liter), das wiederum effizienter Sauerstoff transportiert, weil es mehr Hämoglobin enthält. Männer sind also besser mit Sauerstoff versorgt, auch durch eine leistungsfähigere Lungenfunktion. Dank höherer Adrenalinausschüttung in Streßsituationen können sie rascher Kraftreserven mobilisieren.

Darüberhinaus fördern psychische Besonderheiten diese Effizienz: Da ist zunächst die geringere Ängstlichkeit, weiters ein Hang, sich und der eigenen Leistungsfähigkeit relativ viel zuzutrauen (bis zur Selbstüberschätzung). Das zeigt sich schon in der Kindheit. Dazu kommt eine höhere Risikobereitschaft und der Umstand, daß Männer in Konkurrenzsituationen zu größerer Leistung angespornt werden.

Diese starke Betonung des Körpers führt zu dem deutlich höheren männlichen Bewegungsdrang, der schon ab dem Säuglingsalter zu größerer Unfallgefährdung beiträgt und zu einem Verhalten, das die eigenen Möglichkeiten überschätzt und damit einen Lebensstil begünstigt, der von der Substanz lebt: durch berufliche Überforderung, riskantes Verhalten in der Freizeit (insbesondere im Verkehr und im Sport), durch überzogenes Bemühen, das Umfeld nach eigenen Vorstellungen (oft auch erfolglos) zu gestalten.

Damit sind wir bei einer zweiten Grunddimension männlicher Begabung angelangt: sich durchsetzen zu wollen. Männer wollen die Welt gestalten. Wo Konflikte zwischen eigenen Vorstellungen und äußeren Gegebenheiten auftreten, versucht der Mann eher, die Umwelt zu verändern, als sich selbst anzupassen. Alle Untersuchungen bestätigen: das männliche Geschlecht ist aggressiver, aggressiv in dem Sinn, daß Männer besonders bemüht sind, ihre Kraft (ihre intellektuellen Fähigkeiten) einzusetzen, um Dinge zu bewegen, Situationen zu verändern. Das männliche Geschlechtshormon trägt entscheidend zu dieser Ausrichtung bei. In ihrer negativen Ausprägung verleitet die Aggressivität zu Gewaltanwendung, Zerstörung, Brutalität. Der Hang zum Krafteinsatz äußert sich schon im Spielverhalten der Knaben bei dem das kämpferische Element eine besondere Rolle spielt. Macht und Stärke sind männliche Statussymbole.

Auf der psychischen Ebene wird dieser Hang zur aktiven Gestaltung verstärkt: Schon im Kleinkindalter sind Knaben viel abenteuerlustiger als Mädchen und weniger anpassungsbereit als diese. Sie neigen zu Trotzreaktionen. Dazu kommt die geringere Fähigkeit (oder Bereitschaft?) des männlichen Geschlechts, ein Versagen zu erkennen und einzugestehen. Mißerfolge werden den äußeren Umständen zugeschrieben, Schuld auf andere abgeschoben, was zum Bemühen führt, nicht sich, sondern das unpassende Umfeld zu ändern.

Interkulturell ist ein weiteres Merkmal ziemlich einheitlich festzustellen: die stärkere Ausrichtung des Mannes auf den Außenraum. Das äußert sich schon im kindlichen Spielverhalten mit deutlicher Präferenz für “Outdoor"-Aktivitäten, dem Interesse für Sportgeräte, Transportmittel usw... Bei Männern trifft man eine Vorliebe für außerhäusliches Engagement in Vereinen, bei der Feuerwehr, in der Politik, von der sich eher das männliche als das weibliche Geschlecht etwas erhofft, an.

Bemerkenswert sind auch die Unterschiede in der Art der Wahrnehmung: Da ist zunächst die geringere Schmerzempfindlichkeit (nicht zu verwechseln mit Wehleidigkeit). Sie geht einher mit einem weniger empfindsamen Tastsinn des Mannes. Dieser ist dafür visuell besonders ansprechbar - jedoch weniger stark als Frauen über das Gehör, was Männer weniger lärmempfindlich macht.

Besonders markant ist die männliche Unterlegenheit in der verbalen Ausdrucksfähigkeit, sowie im Bedürfnis, sich mündlich zu artikulieren. Hingegen läßt sich bei Männern eine ausgeprägte Überlegenheit beim räumlichen Denken und beim Orientierungsvermögen feststellen. Zu den männlichen Stärken gehört auch das analytische, sowie das Denken in abstrakten Modellen. Daher auch die Vorliebe für technische, allgemeine Lösungen zur Gestaltung des Lebensraumes nach den eigenen Wunschvorstellungen. Während die Frauen eher umfassend wahrnehmen und meist ein breiteres Interessensspektrum aufweisen, neigen Männer eher zur Spezialisierung. Sie können sich eher auf Einzelheiten konzentrieren und von einem Umfeld, das sie als unwichtig ansehen, absehen.

Diese Unterschiede im Bereich der Wahrnehmung und der Informationsverarbeitung sind - wie die Forschung in den letzten Jahren nachweisen konnte - auch durch eine geschlechtstypische Funktionsweise des Gehirns bedingt. Das männliche Gehirn wird stärker punktuell, das weibliche umfassender aktiviert. Es ist wichtig, sich diese unterschiedliche Art, mit Information umzugehen, bewußt zu machen, weil sie zu einer unerschöpflichen Quelle von Irritationen und Mißverständnissen werden kann.

Bleibt, noch auf eine wichtige Besonderheit hinzuweisen: Im Gegensatz zu den Frauen sind Männer eher auf Funktionen als auf Personen ausgerichtet. Im männlichen Verständnis hat das Zweckhafte Vorrang vor der Begegnung, das Grundsätzliche vor dem Besonderen. Auch diesbezüglich treten schon im Spiel der Kinder deutliche Unterschiede auf: Gezielte Bemühungen, Knaben für das Spiel mit Puppen zu interessieren, scheitern, denn sie bevorzugen eben Bausteine oder Fahrzeuge. Auch geht es den Buben mehr um das Spiel selbst als um die mitspielenden Kinder. Diese funktionale Ausrichtung prägt auch die sexuelle Beziehung: Männer sind mehr auf den Sexualakt selbst und visuell auf Äußerlichkeiten des anderen Geschlechts ausgerichtet als Frauen, denen es vor allem um die Persönlichkeit des Partners geht.

Abschließend noch zwei wichtige Feststellungen: Die erwähnten besonderen Begabungen sind keineswegs Eigenschaften, die nur beim Mann anzutreffen sind. Bei allen Merkmalen beobachtet man Überlappungsbereiche. So gibt es sicher eine Reihe von Frauen, die stärker funktional ausgerichtet sind als manche Männer. Im Durchschnitt aber ist die Vorliebe für das Funktionale eindeutig dem männlichen Geschlecht zuzuordnen.

Und noch etwas: Wenn hier die besonderen Begabungen der Männer hervorgehoben worden sind, so wird damit keineswegs ihre Höherwertigkeit behauptet. Männliche und weibliche Sonderbegabungen stehen vielmehr in einem lebensträchtigen Spannungsverhältnis, das auf dem Hintergrund der absoluten Gleichwertigkeit der Geschlechter zu sehen ist, von der schon das erste Kapitel der Bibel spricht: Mann und Frau nach dem Abbild Gottes geschaffen (Gen 1,27).

CG

Näheres siehe Eins plus Eins ist eins. Leitbilder für Mann und Frau. Von Christof Gaspari.
Herold, Wien 1985. 12 Euro. Zu beziehen über die Redaktion von VISION 2000.

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