VISION 20006/2005
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Liebeserklärung

Artikel drucken P. Daniel-Ange über die Kirche, seine Freude

Die Kirche - meine Freude": Man traut seinen Ohren nicht. So eine Aussage in einer Zeit, in der jedenfalls medial Kirchenkritik den Ton angibt. Wer den Autor kennt, weiß, mit welchem Enthusiasmus er dies mündlich ausdrücken würde. Im französischen Originaltitel kommt dies auch stärker zum Ausdruck: “Église ô man joie!"

Der Leser darf sich auf eine Liebeserklärung an die Kirche einstellen, eine von Begeisterung getragene, der jedoch der Sinn für die Realität keineswegs abgeht und die auch nicht blind für ihre Schwächen ist. Das Buch ist also keine theologische Abhandlung, sondern ein Versuch, die Kirche mit den Augen Jesu zu betrachten, mit den Augen dessen, der sich total mit ihr identifiziert. “Warum verfolgst Du mich?", fragt Er den Saulus, der ausgezogen war, die Kirche zu vernichten, dieses “noch ganz schwache Baby", das aber seit Pfingsten wie “ein Orkan der Liebe" die Welt mit Leben erfüllt.

Dieser Kirche verdankten wir alles, was wir über Jesus wissen, ruft der Autor in Erinnerung: “Es gäbe kein Evangelium ohne Jünger, um es zusammenzusammeln, keinen Apostelbrief ohne Kirchen, an die er gerichtet ist, keinen Propheten, kein Geschichtsbuch ohne Volk, dessen Geschichte es erzählt."

Daniel-Ange lädt den Leser ein, die ganze Kirche liebzugewinnen: Hierarchie (das Skelett) und “die ganze kontemplative und apostolische Kreativität der Kirche" (“das Blut, das Leben spendet"), die Sünder in ihr - also uns alle -, die vielfältigen Spiritualitäten, die Ausprägungen des einen Glaubens in den vielen Kulturen.

Das neue Jahrtausend werde im Zeichen der wiedergefundenen Einheit stehen, prophezeit Daniel-Ange. Unter nichts leide der Herr so sehr, wie “unter der Trennung der Getauften in verschiedene Kirchen und kirchliche Gemeinschaften, ein Riß im Herzen Jesu selbst!" Man schaue sich nur um, was auf diesem Weg schon alles an Wunderbarem geschehen sei. An den Päpsten der letzten 100 Jahren könne man erkennen, wie wertvoll der Petrusdienst der Einheit sei und wie groß ihre Bereitschaft, Wege zu finden, diesen Dienst so auszuüben, daß ihn alle Getauften dankbar annehmen können. Daniel-Anges Diagnose: “Heute bestehen die Spaltungen nicht mehr so sehr zwischen Katholiken, Orthodoxen, Anglikanern, Protestanten und Evangelikalen, als zwischen ... den begeisterten Gläubigen und jenen, deren Glaube blutleer und sogar wie betäubt geworden ist."

Die Kirche der letzten Zeiten werde “schöner als jene der ersten Jahrhunderte sein", erwartet der Autor. Und er begründet diese Hoffnung mit einer Feststellung, die mich überrascht, aber auch überzeugt hat. Er erklärt nämlich, die Kirche sei schon jetzt zu mindestens 90 Prozent vereinigt und führt gute Gründe für diese Aussage an: Alle Getauften haben denselben Heiligen Geist empfangen; aus allen Konfessionen habe es Märtyrer für Christus gegeben. “Das Blut der Märtyrer schreit lauter als die Wunden unserer Trennungen."

Und vor allem: “Die Kirche ist ganz einfach deshalb schon eins und zu neunzig Prozent vereint, weil neunzig Prozent der Kirche bereits im Himmel sind", wohin die Mauern der Trennung nicht reichten. Ich lasse es bei diesen Hinweisen und hoffe, daß ich Ihnen, liebe Leser, damit Lust gemacht habe, sich von Daniel Anges Freude an der Kirche anstecken zu lassen.

Christof Gaspari

Die Kirche - meine Freude. Von Daniel-Ange. Verlag Christoph Hurnaus, Walterstr. 21, 4020 Linz, Tel/Fax: 0732 788 117; Email: hurnaus@aon.at  ISBN 3-902354-03-8, 179 Seiten, 11 Euro.

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