VISION 20006/2005
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Maria im Leben Johannes Paul II.

Artikel drucken Totus tuus - das Leitmotiv über dem Leben des verstorbenen Papstes

Einmal wurde der Rezensent von einem evangelikalen Christen, der früher Katholik war, mit dem Vorwurf überrascht, daß in der Marienverehrung der Katholiken “zu einer Toten" gebetet werde. Das sei Gott ein Greuel. Entsprechende Klarstellungsversuche wurden abgeschmettert. Als Katholik fragt man sich da, wie man nur den biblischen Befund dermaßen mißverstehen kann. Wie kann das sein, daß ausgerechnet jene, die sich so auf ihre Treue zur Hl. Schrift berufen, diese bei verschiedenen Themen immer wieder offensichtlich gegen den Wortlaut “interpretieren"?

Viel Verwirrung ist auf diesem Gebiet aber auch in die Kirche selbst eingedrungen. Eine qualifizierte Abhilfe bietet der Augsburger Theologe Anton Ziegenaus, der mit Kardinal Scheffczyk eine mehrbändige Dogmatik verfaßt und die Zeitschrift Forum Katholische Theologie herausgibt, mit diesem Werk, dessen Herausgeber und Mitautor er ist.

Überaus lesenswert sind zunächst die Ausführungen über den biographischen Hintergrund der Marienverehrung des späteren Papstes. Dabei sind die polnische Volksfrömmigkeit und der theologische Klassiker “Das goldene Buch der vollkommenen Hingabe an Jesus durch Maria" des Hl. Ludwig-Maria Grignion von Montfort maßgeblich. “Der junge Karol Wojtyla ... stellte mit seiner Hinwendung zum Marienverständnis Grignions de Montfort durchaus keinen Einzelfall dar. Die bedrückende Situation katholischer polnischer Intellektueller unter dem Druck zweier totalitärer Regime ... forderten nacheinander sogar zum eingehenden Studium Grignions de Montfort heraus: Entsprechende Lektüren vermittelten nämlich nicht nur die spirituelle Kraft, dem äußeren Lebens- und Leidensdruck standzuhalten; vielmehr ermöglichten sie darüberhinaus auch die Rückbindung gelegentlich arg naiver Formen marianischer Volksfrömmigkeit an eine gläubig verantwortbare Christologie."

Ein Beitrag analysiert die Pastoralreisen des Papstes zu den großen Marienheiligtümern, ein weiterer die Offenbarungen an die Seherkinder von Fatima. Auch hier gibt es durch das Attentat auf den Papst (am Fatimatag, 13.05., des Jahres 1981) eine starke Verbindung zu seiner Lebensgeschichte: “Johannes Paul II. ist sich bewußt, auf der Weltbühne einen besonderen Stein des Anstoßes darzustellen, an dem sich die Geister scheiden. ... Der Papst sieht eine geheimnisvolle Koinzidenz zwischen dem Fest des 13. Mai und dem wirklichen Geschehen am 13.5.1981."

Sehr erhellend zum Thema Offenbarungen und Prophezeiungen ist die Mitteilung der Seherin Sr. Lucia an den Papst: “Der dritte Teil des Geheimnisses ist eine symbolische Offenbarung, die ... von der Tatsache abhängig ist, ob wir das annehmen oder nicht, was die Botschaft von uns verlangt ... Und sagen wir nicht, daß Gott es ist, der uns so straft; im Gegenteil: Es sind die Menschen, die sich selbst die Strafe bereiten. Gott gibt uns das in seiner Fürsorge kund und ruft auf den guten Weg."

Kardinal Leo Scheffczyk schreibt über die “Marienweihe" in Leben und Lehre des verstorbenen Papstes, Manfred Hauke über die “mütterliche Vermittlung" und inwiefern Maria als “Miterlöserin" bezeichnet werden kann und inwiefern nicht. Der Beitrag von Martin Kreuzer über die mariologische “Relecture" der katholisch-lutherischen “Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigung" von 1999 äußert sich kritisch über katholische Autoren, die die Mariologie dem Protestantismus annähern wollen und zitiert das Wort von der “Tintenfischökumenik", die auf eine “problemermäßigende Vertuschung" hinausläuft.

Weitere Aufsätze befassen sich mit Maria als Urbild der Frau und mit der Umsetzung der Lehre über Maria in Jugendarbeit, Ordensleben und Priesterausbildung.

Johannes Paul II. hat gewisse Übertreibungen in mariologischer Lehre und Praxis, wie sie zweifellos immer wieder vorgekommen sind, nicht übernommen. Im Gegenteil hat er die Substanz klassischer, biblisch fundierter Verehrung der Mutter des Herrn bewahrt und mit neuem Glanz versehen. Das ist eines seiner bleibenden Verdienste.

Das gemeinsame Schauen auf Maria und ihre Verehrung werden unabdingbar zur Wiederherstellung der Einheit der Christen dazugehören und Mißverständnisse wie das eingangs erwähnte auszuräumen helfen. Vorliegendes Werk leistet dazu einen wertvollen Beitrag.

Wolfram Schrems

Totus Tuus, Maria in Leben und Lehre Johannes Pauls II. Von Anton Ziegenaus (Hg.), Friedrich Pustet, Regensburg 2004. 30,80 Euro.

Diese und andere Bücher können bezogen werden bei: Christoph Hurnaus, Waltherstr. 21, 4020 Linz, Tel/Fax: 0732 788 117; Email: hurnaus@aon.at

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