VISION 20005/2021
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Ein Leben: kurz, abenteuerlich – mit Gott

Artikel drucken Philipp Mickenbecker: ein „YouToube“-Star entdeckt im Leiden Gott (Doris de Boer)

Am 9. Juni 2021 starb der YouTube-Star Philipp Mickenbecker mit nur 23 Jahren an Krebs. Gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Johannes hatte er den YouTube-Kanal „The Real Life Guys“ gegründet und ein Millionenpublikum mit seinen Videos und Do-it-your­self-Projekten begeistert. 2020 erschien seine Biografie Meine Real Life Story und die Sache mit Gott. Dieses Buch ist wirklich spannend zu lesen.
Philipp schildert zunächst seine Kindheit. Gemeinsam mit seiner jüngeren Schwester Elli wuchs er mit seinem eineiigen Zwillingsbruder glücklich auf einem ehemaligen Bauernhof auf. Dort gab es auch eine alte Scheune, in der ihr Vater alles Mögliche reparierte und einige Patente entwickelte. Bis zur vierten Klasse unterrichtete die Mutter die Zwillinge zuhause, kam deshalb aber in Konflikt mit der deutschen Schulpflicht. Die Eltern mussten mehrmals vor Gericht und Strafe zahlen.
Ab der vierten Klasse besuchten die Zwillinge dann eine christliche Schule. Sie waren zwar die Klassenbesten, dennoch war ihnen die Schule verhasst. Aus Langeweile begannen sie, ziemlich wilde Experimente in der Schule zu machen: Sie stellten Knallgas selbst her, bauten Pistolen, die täuschend echt aussahen und sich auch so anhörten, lösten öfter Explosionen auf dem Schulhof aus. Als sie dann auf einer Klassenfahrt illegal einen PC und Alkohol mitführten, flogen sie am Ende der neunten Klasse von der Schule.
Nach dieser Zäsur lebten sie sich auf der neuen Schule gut ein, fanden neue Freunde und entdeckten ein harmloseres Hobby: Tier- und Naturfilme. Mit diesen wurden sie sehr erfolgreich, gewannen Preise und verkauften hunderte DVDs über die heimische Tierwelt. Doch dann brach für Philipp plötzlich die Welt zusammen: Er wurde immer schwächer, bekam kaum Luft. Bei einem Kontrollbesuch beim Arzt hieß die erschütternde Diagnose für den 16-Jährigen Lymph­drüsenkrebs. Für den jungen Abenteurer der Schock seines Lebens.
Er sperrt sich zuhause in der Toilette ein, ringt mit Gott, bestürmt Ihn mit Fragen: „Warum? Warum ich? Warum jetzt?“ Auf der Suche nach einer Antwort auf die quälenden Fragen nimmt er die Bibel zur Hand. Wie durch Fügung schlägt er genau die Stelle im Buch Hiob auf, wo Gott dem leidenden Hiob Antwort auf seine Frage nach dem Leiden gibt.
Für ihn war es, als hätte Gott selbst zu ihm gesprochen und er findet Kraft und Zuversicht: „Einen tiefen Frieden konnte ich spüren, den ich nicht mal so empfunden hätte, wenn mir ein Arzt einen 99-prozentigen Behandlungserfolg versprochen hätte. Das war schon ein krasses Erlebnis. Ich bin immer noch begeistert, wenn ich an diese Situation denke. Wenn ich daran denke, wie mir Gott auf mein verzweifeltes Gebet auf der Toilette geantwortet hat.“
Nun begann jedoch eine Behandlungsodyssee, schreckliche Zeiten während der Chemotherapie. Einmal kam der Tag, an dem er aufwachte und das ganze Bett voller Haare war. „Ich konnte sie einfach so abnehmen, als würden sie nur auf dem Kopf liegen.“ Wieder suchte er Trost in der Bibel und schlug genau die Stelle auf, wo Jesus sagt: „Bei euch sind sogar die Haare auf dem Kopf gezählt. Darum habt keine Angst.“
Dies konnte für ihn kein Zufall sein. Er erlebte in diesen schweren Zeiten die Gegenwart Gottes, der für ihn sorgte. So überwand er alle Ängste. Langsam kamen nach der Behandlung seine Kräfte zurück, und Philipp konnte sich mit seinem Bruder wieder in Abenteuer stürzen.
So bauten sie eine Badewannendrohne, mit der sie in die Luft abhoben. Mit ihrem Video davon hatten sie auf Youtube so viel Erfolg, dass sie mit einem Schlag berühmt wurden. Sie waren in jedem deutschen Fernsehsender und teils auch im Ausland zu sehen, verdienten nun ihr eigenes Geld und hatten gleich zwei Managerinnen. Ihr Slogan „Do something“. Sie wollten zeigen, wie spannend das Leben sein kann und viele Menschen anstecken, in die Natur raus zu gehen, statt im virtuellen Leben gefangen zu sein.
Mitten in der Erfolgswelle kam für Philipp im Februar 2018 die erneute Krebsdiagnose, doch wie beim ersten Mal schlug er oft die Bibel auf und entdeckte gerade im Leiden, dass Gott durch besondere Fügungen zu ihm sprach.
Dann brach mit dem 10. März 2018 der dunkelste Tag in seinem bisherigen Leben an. Seine Schwester Elli stürzte mit dem Ultraleichtflugzeug ab und verunglückte tödlich – ein schwerer Schlag für die ganze Familie und eine Zeit lang stellten dieBrüder ihre Experimente ein.
Am 24. Juni 2018 ließ sich Philipp taufen und besuchte öfter christliche Gottesdienste. Obwohl die Ärzte ihm Ende 2020 nicht mehr lange zu leben gaben, erholte er sich einigermaßen und unternahm mit seinem Bruder und Freunden noch einige Reisen. Und bei allem vertraute er auf Gott. Sein Lieblingsmotto aus der Bibel wird Jesaja 40,31: „Aber alle, die ihre Hoffnung auf den Herrn setzen, bekommen neue Kraft. Sie sind wie Adler, denen mächtige Schwingen wachsen.“
Damit endet das Buch. Bevor der junge YouTube-Star heuer im Juni verstarb, sprach er in einigen Videos offen über seine Krankheit und seinen Glauben. Bis zuletzt zeigte er sich lebensfroh. Sogar auf seinem Sterbebett hatte er noch ein Lächeln im Gesicht und verkündete über Video. „Ich habe meinen Frieden mit der ganzen Situation und wie das alles gekommen ist. Und ich weiß, dass Gott alles in der Hand hat. Und ich vertraue darauf und freue mich, euch alle in der Ewigkeit wieder zu sehen“ – ein Abenteurer, der im Glauben seinen Frieden fand. Bis zuletzt hatte Philipp keine Angst vor dem Tod. Er glaubte daran, dass es jemand gibt, der einen Plan hat mit unserem Leben. Dieser Glaube gab ihm im Leben und Sterben Halt. Sein Lebenszeugnis hat viele junge Menschen begeistert und inspiriert.

Meine Real Life Story und die Sache mit Gott. Von Philipp Mickenbecker. adeo-Verlag, 224 Seiten, 18€.


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