VISION 20005/2021
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„Um 20:31 Uhr war ich gläubig“

Artikel drucken Geschichte einer erstaunlichen Bekehrung (Marie de Varax)

Eigentlich wollte er einen gemütlichen Weihnachtsabend bei einem guten Essen verbringen. Aber dann kam es ganz anders…

Als sich die Tür öffnet, nachdem ich die über dem Eingang aufgehängte Glocke angeschlagen hatte, fällt mein Blick direkt – auf eine Krippe! Mein Gastgeber lächelt über diesen der Jahreszeit nicht entsprechenden Anblick: „Seit dem Weihnachtsabend 2015 ist mein Herz eine fortdauernde Krippe.“
In dieser Nacht, in der Wunder anscheinend normal sind und sich ganz natürlich ereignen: glaubte Claudel von einem Augenblick zum nächsten; versiegten die Tränen der heiligen Thérèse von Lisieux; wurde Philippe Guillard urplötzlich katholisch.
Es war sowohl wundersam wie ganz natürlich, erzählt uns dieser Bekehrte. Wie tausende Franzosen trafen er und seine Frau Vorbereitungen, um Weihnachten zu feiern. Auf dem Tisch ein Dutzend Austern, ein gebratenes Hähn­chen und nirgends eine Krippenfigur auf etwas Stroh gebettet…
Da plötzlich, gedrängt von einer unwiderstehlichen Eingebung, wendet sich Jeanne an Philippe und erklärt ihm dezidiert: „Ich muss Dich jetzt dorthin führen, wohin Du gehen willst“. Verblüffung bei diesem: „Was? Aber ich will doch nirgends hingehen!“ Darauf folgt ein surrealer Dialog: „Ich bin mir aber ganz sicher, und wir werden hingehen.“ „Aber wohin willst Du gehen?“ „Ich nehme Dich in die Messe mit!“ „In die Messe?! Nein, dahin gehe ich nicht, sicher nicht!“ – „Ich versichere Dir: Wir gehen!“
Und siehe, Jeanne spricht ein Machtwort und schleppt ihn hinaus in Wind und Regen. Die Kirche ist nicht weit. Sie kommen haarscharf pünktlich an. Jeanne öffnet das schwere Tor, sie finden zwei Plätze, ganz hinten. Orgelmusik erfüllt den Raum…
Und plötzlich wird Philippe von einer Lichtflut überwältigt, „ein blaues Licht, von dem mir später klar wird, dass es ein ungeschaffenes Licht ist, blau wie die Farbe Mariens“. Es ist erfüllt von einer lebendigen Gegenwart, einer Gegenwart, die mit Freude überflutet. Von einem Moment zum anderen, ist er gläubig. „Um 20:30 Uhr betrat ich als Atheist die Kirche, um 20:31 Uhr war ich gläubig und katholisch,“ zieht er Bilanz.
Wie der heilige Augustinus könnte Philippe ausrufen: „ Spät habe ich dich geliebt, du Schönheit, ewig alt und ewig neu, spät habe ich dich geliebt! Und sieh, bei mir drin warst du, und ich lief hinaus und suchte draußen dich.“ Schwer gezeichnet von einer ärmlichen, geradezu karikaturenhaften katholischen Erziehung, hatte der Jugendliche sich von Gott abgewandt. Auf immer, wie er damals dachte.
Es brauchte Jahrzehnte des geduldigen Wirkens Gottes, um die dicke Mauer, die der atheistische Naturwissenschaftler zwischen sich und seinen Schöpfer errichtet hatte, rissig werden zu lassen.
Es waren Jahre, geprägt von „einer brennenden Sehnsucht nach etwas Größerem“ als die vergebliche Suche nach dem Sinn des Lebens auf den unbefriedigenden Schleichwegen der Psychoanalyse, der Freimaurerei, der östlichen Spiritualitäten, bis der Stolz einbrach und sein Herz offen werden konnte für diesen endgültigen Todesstoß in jener Weihnacht.
Philippe Guillard erzählt – man spürt die Tränen der Dankbarkeit in seinem Bericht – vom Werk Gottes in seinem Herzen, das diesen Menschenraub ermöglichte. In den zwei Jahren, die auf seine Bekehrung folgten, wird dieser „Säugling im Glauben“ mit außergewöhnlichen Gnaden gefüttert: Visionen, Einsprechungen der heiligen Thérèse von Lisieux… Nach dieser so gesegneten Zeit ist es verständlich, dass jetzt die Periode des Kampfes und des Kreuzes angebrochen ist, rau und heftig. Der Autor spricht nicht viel über diese Phase, die wohl Gegenstand eines neuen Buches sein wird. Aber er bedauert nichts. „Ich habe Ihm alles übergeben.“ Von nun an, „lenkt Gott alles. Der Herr hat das Steuer übernommen, und Er fährt sehr flott dahin.“

Famille Chrétienne v. FC 22.5.21.
Et le Ciel s’est ouvert. Von Philippe Guillard, Éditions des Béatitudes, 288  Seiten, 18 €.

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