VISION 20005/2004
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Dieser Leib, das bist Du!

Artikel drucken Der Leib als Träger von Botschaften (Von P. Daniel-Ange)

Im Grunde genommen behandelt die heutige Sexualaufklärung den Leib wie ein Instrument zur Lusterzeugung. Was für ein Irrtum! Der Leib - das bist du selbst, ruft P. Daniel-Ange in Erinnerung. Er ist so kostbar, daß Gott selbst einen Leib annehmen konnte.

Der Leib ist keine Sache. Er ist jemand. Er ist ich selbst. Er ist die Person, die ich bin. Allerdings reduziert sich meine Person nicht auf meinen Körper: Ich bin kein hochentwickeltes Tier. Ein Tier hat keine unsterbliche Seele. (Ein Tier erscheint nie nach dem Tod jemandem, wie es die Heiligen manchmal tun.) Und ein Tier hat auch keinen Geist, der fähig wäre, das Universum zu beherrschen. Meine Person reduziert sich auch nicht auf meine Seele: Ich bin weder ein Engel, noch ein Geist. Durch meinen Leib bin ich mit dem Kosmos verbunden, in eine Geschichte gestellt, in den Zusammenhang einer Zeit und eines Ortes gebettet. (...) Die Seele belebt den Körper. Der Körper drückt die Seele aus.

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Der Körper ist der Ausdruck, die Manifestation der Seele. Schmunzeln, Grinsen, dein jeweiliger Gesichtsausdruck, irgendwelche Zuckungen, nachlässig hingeworfene Worte, der Ton deiner Stimme: Wieviele Zeichen gibst du, die dich verraten! Der Leib ist die Sprache meines Wesens: Zärtlichkeit, die mein Herz erlebt, wird sich in einem Kuß ausdrücken, in einer Umarmung oder auf sexueller Ebene. Was ich aus meinem Leib mache, zeigt, was ich bin. Aber ich weiß doch so wenig, was ich bin!

Zugleich gibt es so etwas wie eine Distanz zwischen meinem Leib und meiner Seele: Ich erkenne mich nicht völlig darin wieder. Es gibt so etwas wie eine gestörte und darum zwiespältige Beziehung zwischen den beiden. Der Leib ist das, wodurch ich mich ausdrücke und zugleich das, was mich hindert, mich ganz auszuliefern: Er erlaubt, meinen “geheimen Garten" zu schützen. Er schützt mich gegen die äußere Welt, obwohl er mich andererseits gleichsam in ein inneres Universum einschließt. (...)

Kurzum, der Leib bedeckt mich und zeigt gleichzeitig etwas von mir: Er bedeckt meine Intimität und hebt meine Identität hervor. Denn der Leib ist gleichzeitig ich, ist jemand und er ist auch etwas. Das empfinde ich zum Beispiel ganz deutlich im körperlichen Schmerz, der mich zum Gefangenen meines Körpers machen kann.

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Warum ist eigentlich in deinem Ausweis nicht ein Foto deines Knies oder deiner Schulter, sondern eines von deinem Gesicht? Und warum sind manchmal auch deine Fingerabdrucke wichtig? Weil das Gesicht und die Hände die einzigen wirklich transparenten Glieder der Person sind, diejenigen, durch die ich mich selbst verrate, wo man erraten kann - nur, aber eben doch erraten kann -, wer ich bin, und was mein tiefstes Herz ist!

Im Gegensatz dazu verraten die anderen Glieder nichts über dich: Sie weisen nur auf die Spezies hin und sind deshalb auch irgendwie anonym und unpersönlich. Abgesehen von einigen morphologischen Einzelheiten sind sie bei allen Lebewesen einer Art relativ gleich.

Deshalb gibt es auch die natürliche Scham vor der Nacktheit: Denn ich habe Angst, anderswo (an)gesehen zu werden, als dort, wo ich mich am stärksten zeige (Gesicht, Hände). Das heißt, ich habe Angst, außerhalb meines Blickes angeschaut zu werden, durch den ich mich verschenke und mitteile. Angst, zu einem Objekt erniedrigt und schließlich meinem Wesen entfremdet zu werden. (...)

Deshalb bekleidete sich der Mensch zu allen Zeiten, in allen Ländern der Welt. Je mehr und je sorgfältiger er sich bekleidet, desto mehr tritt er aus dem Animalischen heraus. Und er bekleidet sich nicht nur, um sich gegen Temperaturschwankungen zu schützen, nicht nur aus Eitelkeit, sondern aufgrund eines seltsamen Instinkts, den die Tiere niemals besessen haben. So wurde die Kleidung überall, wo man eine natürliche Anlage gewähren ließ, zu einer grundlegenden Komponente der Zivilisation. Der vollständige Nudismus führt zum Animalischen, er bedeutet Rückkehr in einen primitiven Zustand, Rückschritt und Verkommenheit.

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Die Sexualität ist ein kostbares Geschenk von Gott, der sie selbst so wollte, wie sie ist. “Die Sexualität ist eine grundlegende Komponente der Persönlichkeit, eine ihrer Weisen zu existieren, sich zu manifestieren, sich anderen mitzuteilen, menschliche Liebe zu fühlen, auszudrücken und zu leben. Sie charakterisiert Mann und Frau nicht nur auf körperlicher Ebene, sondern auch in psychologischer und spiritueller Hinsicht, indem sich jede ihrer Äußerungen darin niederschlägt." (Erziehungsrichtlinien zur menschlichen Liebe, Rom 1983)

Ihre stärkste Ausdrucksform auf körperlichem Gebiet ist der eigentliche sexuelle (genitale) Akt. Aber was folgt aus all dem? Nun, daß sich eine sexuelle Beziehung niemals auf einen “neutralen" Akt beschränkt. Man kann sie nicht von der Seele abnabeln, denn es ist die ganze Person, die sich darin ausdrückt. Denn dieser Leib, das bist du: Es kann kein körperlicher Austausch stattfinden, ohne daß deine Seele davon betroffen wäre und ohne daß die Seele deines Partners berührt wird. Das ist es tatsächlich auch, was die ganze Tragweite und Größe der Vereinigung ausmacht. Daher kommen auch diese langen Nachklänge in den Tiefen des Wesens.

Auszüge aus: Dein Leib geschaffen für die Liebe. Von P. Daniel-Ange. Medienverl. Christoph Hurnaus 287 Seiten, 11 Euro. Ein Buch, das besonders Jugendliche, aber nicht nur sie, mit großem Gewinn lesen werden.

Diese und andere Bücher können bezogen werden bei: Christoph Hurnaus, Waltherstr. 21, 4020 Linz, Tel/Fax: 0732 788 117; Email: hurnaus@aon.at

 

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