VISION 20005/2004
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Auf der Suche nach ganzheitlicher Heilung

Artikel drucken Unterscheidung in der verwirrenden Fülle von Angeboten (Von Rosa Stummer)

Viele Menschen leiden, sind belastet, verletzt - und auf der Suche nach Heilung. In ihrer Not verschreiben sie sich den unterschiedlichsten, verlockenden Heilungsangeboten - und übersehen die einzig wirkliche Quelle allen Heils.

Die Weltgesundheitsorganisation definiert Gesundheit als Zustand völligen körperlichen, seelischen, geistigen und sozialen Wohlbefindens. Sie schließt darin auch die berufliche Zufriedenheit ein. Daß alle diese Bereiche nicht allein der Arzt “heilen" kann, leuchtet wohl jedem ein.

Dennoch möchte jeder von uns im Krankheitsfall als ganzer Mensch wahrgenommen werden, was ja letztlich auch notwendig ist, um ein gesundheitliches Problem von der Wurzel her angehen zu können. Der Wunsch des Patienten ist es, sanft und möglichst ohne Nebenwirkungen behandelt zu werden und so, daß er seinen gewohnten Lebensstil beibehalten kann. Genau das versprechen viele alternativ-medizinische Methoden. Sie behaupten “ganzheitlich" zu behandeln. Daß einige dieser “modernen" Methoden - Akupunktur, Bachblüten, Homöopathie, Reiki, Fußreflexzonenmassage, um nur einige zu nennen - esoterischen, fernöstlich und nicht-christlichen Ursprungs sind, nehmen viele Christen billigend in Kauf. Aber ist Gesundheit um jeden Preis nicht Götzendienst?

Bei genauer Betrachtung merkt man außerdem, daß diese Praktiken gar nicht ganzheitlich sein können. Insbesondere können sie im geistlichen Bereich nicht helfen. Ein kleines Beispiel aus der Homöopathie möge das illustrieren: Das Präparat Colocynthis wird (laut dem Buch Vital mit Homöopathie) zur Heilung von körperlichen Beschwerden, die auf Zorn und Empörung folgen, angewandt.

Nun ist aber Zorn eine der sieben Hauptsünden. Diese werden so genannt, weil sie meist weitere Sünden zur Folge haben. Hier müßten wir Ärzte demütig bekennen, daß wir an die Grenze des für uns Machbaren gestoßen sind. Was nützte es, körperliche Folgen von Zorn zu beseitigen, wenn die Wurzel des Übels erhalten bleibt? Als Christen wissen wir, daß nur Gott, unser gütiger Vater, uns von diesem Übel befreien kann. Nur in einem Dialog mit Ihm, der Person ist, können wir Menschen geheilt werden. Daher ist es irreführend, wenn jemand sich umfassende, ganzheitliche Heilung bei irgendwelchen Präparaten, anderen Religionen und deren Riten oder bei kosmischen Energien erwartet.

Die Katholische Kirche verfügt selbst über alle Quellen des Heils, die es auf Erden gibt. Denn nur in Jesus finden wir die Fülle des Lebens. Ein guter Arzt sollte daher - so wie er sein Wissen zur körperlichen Wiederherstellung des Menschen einsetzt - seinen Patienten im Bedarfsfall auch dazu ermutigen, sich mit Gott und den Menschen zu versöhnen, vor allem durch die Beichte. Das ist dann wirklich ganzheitliche Heilung.

Von Sünden befreien kann nämlich nur Gott. Und er tut das durch den Dienst der Priester, denen Er die Vollmacht gab, dies in Seinem Namen auf Erden zu tun.

Die richtige Therapie für die Erkrankung Jähzorn ist also die häufige Beichte, bei der man Gott sein Herz ausschüttet und anschließend den Heiligen Geist um Tugenden bittet: um Geduld, Selbstbeherrschung, Barmherzigkeit, Liebe, Demut...

Es gibt viele persönliche Berichte und Studien, daß Menschen, nachdem sie sich zur Versöhnung durchgerungen hatten, auch körperlich geheilt wurden. Aus der Erfahrung - und aus Untersuchungen - weiß man auch, daß Menschen, die beten und für die gebetet wurde, häufig schneller gesund werden. Weil es so wichtig ist, selbst zu vergeben, wenn wir verletzt wurden, es aber oft über unsere Kraft geht, dies zu tun, ist es notwendig, daß wir einander im Fürbittgebet dazu verhelfen und Gott dafür um Seinen Beistand bitten.

Jesus ist in die Welt gekommen, um uns zu retten und zu heilen. Er ist der Heiland und wirkt Sein Heil durch die Sakramente Seiner Kirche. Besonders erwähnt sei da das Sakrament für die Heilung und Stärkung der Kranken, die Krankensalbung. Durch sie erbittet die Kirche dem Kranken durch das Gebet des Priesters eine besondere Gabe des Heiligen Geistes. Der Leidende wird gestärkt, beruhigt, ermutigt und mit der Kraft erfüllt, sein Leiden anzunehmen und mit dem Leiden Christi vereinen zu können. Es werden ihm die Sünden vergeben - und wenn es im Willen Gottes ist, wird nicht nur die Seele des Kranken, sondern auch sein Körper geheilt.

Wichtig ist es, dem Kranken zu sagen, daß er dieses Sakrament auch öfters empfangen kann: beim Ausbruch einer schweren Krankheit, bei der Verschlechterung einer chronischen Erkrankung, vor Operationen, bei zunehmender Altersschwäche. Der Weltkatechismus sagt sogar, daß man die Patienten ermutigen soll, um dieses Sakrament zu bitten.

Gerade in unserer Zeit sollten Priester bereit sein, großzügig die Krankensalbung zu spenden, insbesondere bei Krankheiten, die einen geistlichen Auslöser haben können: Süchte, Ängste, Depressionen, Aggressivität, schwere Eßstörungen, manche Arten von Kopfschmerz, Epilepsie, manche Erkrankungen innerer Organe, um nur einige zu nennen.

Hier kann der Heilige Geist tief verborgene Ursachen für die Erkrankung aufzeigen, an die sich die Menschen nicht mehr erinnern können. Oft sind sie sehr früh - meist in der Zeit von der Empfängnis bis zum dritten Lebensjahr - entstanden, also in einem Zeitraum, an den wir uns nicht mehr bewußt erinnern. Da können dann Konflikte nicht durch die Sprache, sondern nur über den Körper ausgedrückt werden.

Wichtig ist die Krankensalbung - ebenso wie die Heilige Eucharistie - auch für Sterbende. Sie werden so mit einem festen Schutzwall im Hinblick auf die letzten geistlichen Kämpfe vor dem Eintritt ins Vaterhaus versehen. Denn im Hinblick auf das ewige Leben ist es nicht gleichgültig, ob man einen Sterbenden “alternativ" behandelt oder ihm die Krankensalbung vermittelt.

Es gilt, sich wieder verstärkt auf die Schätze unseres Glaubens zu besinnen. Denn Christus ist im Allerheiligsten Sakrament des Altares die Quelle allen Heils und allen Lebens. Er selbst sagt uns: Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht eßt und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch (Joh 6,53). In der Eucharistie ist Gott unter uns Menschen gegenwärtig. Daher erfahren wir Seine heilsame Nähe besonders bei der eucharistischen Anbetung, im Lesen der Heiligen Schrift. Das Wort Gottes stärkt und baut auf, gibt dem Leben Richtung und Ziel.

Wer meint, daß das Heilsangebot der Kirche nicht umfassend genug ist für seine Nöte, und sich ganzheitliche Heilung anderswo erwartet, der begeht daher einen folgenschweren Irrtum. Ihm kann man nur raten, sich einerseits noch mehr im Glauben zu vertiefen und andererseits vermehrt aus den christlichen Quellen des Heils zu schöpfen. Denn ganzheitliches Heil kann der Mensch sich nicht selber geben. Nur Jesus Christus, der wahrer Mensch und wahrer Gott ist, kann uns heilen. Er ist gekommen, um uns ärztlich beizustehen (unsere Wunden zu heilen) und uns zu retten (aus unseren Sünden).

Wenn nun Ärzte den Leib und die Psyche therapieren, so ist das gut und wichtig. Denn auch körperliche Erkrankungen können den Geist in Mitleidenschaft ziehen. Aber bei Krankheiten, die ihren Ursprung im Geistig-Seelischen haben, bei Menschen mit Schuldgefühlen, Ängsten, Aggressionen, Gefühlen der Einsamkeit und der Sinnlosigkeit... versagen sie.

In all diesen Fällen kann nur Jesus Heil wirken. Er ist Arzt und Arznei für alle Menschen. Durch Seinen Tod und Seine Auferstehung wurde neues Leben für die Menschheit erschlossen. Der Mensch ist eine neue Schöpfung geworden. Die Kirche ist berufen, allen Menschen dieses neue Leben anzubieten, geistliche Heilstätte zu sein, gerade auch für Andersgläubige. Denn erst wenn der Geist geheilt ist, kann der Mensch vertrauen und lieben.

Die Autorin ist Ärztin.

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