VISION 20003/2010
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Mutter Teresa

Artikel drucken Wunderbare Geschichten einer großen Heiligen

 

Keine Frage: Mutter Teresa von Kalkutta ist eine der großen Gestalten des 20. Jahrhunderts, zu Lebzeiten weltweit bekannt und anerkannt, vielfach geehrt und ausgezeichnet, sogar mit dem Friedensnobelpreis. Man weiß von ihrem unermüdlichen Einsatz für die Ärmsten und die Sterbenden, für die ungeborenen Kinder und die gestrandeten Existenzen in den Slums der Weltstädte. Wer sie aber persönlich kennenlernen will, dem seien Leo Maasburgs „wunderbare Geschichten“ dieser großen Heiligen wärmstens empfohlen.
Jahrelang war dieser Priester ihr Begleiter, ihr Schüler, aber auch ihr Beichtvater und Sondergesandter bei heiklen Missionen. Nach ihrem Tod gehörte er zu jenem Team, das Mutter Teresas Seligsprechung vorbereitet hat. Die besten Voraussetzungen also, um uns mit dieser großen Frau vertraut zu machen.
Das ist das Besondere an diesem Buch: Es ist keine umfassende Lebensbeschreibung, keine Bilanz ihres Lebenswerkes, sondern es eröffnet dem Leser eine Begegnung mit der seligen Mutter Teresa. Er lernt sie in den geschilderten Episoden kennen, hört ihr zu, nimmt sich ihre Gedanken und Ratschläge zu Herzen, staunt über ihre Entschlossenheit und Konsequenz, stellt seine eigenen Verhaltensweisen in Frage. Etwa wenn er liest, daß Mutter Teresa nie über jemanden ein negatives Wort gesagt habe – auch wenn man ihr gewissermaßen die „Rutsch’n“ für eine kritische Bemerkung gelegt hat.
Maasburg erzählt , wie er ihr nach einer Reise eine „deftige Geschichte“ entlocken wollte. Worauf er zu hören bekam: „Weißt du, Pater: Es ist besser zu entschuldigen als zu beschuldigen“. Und: „Wenn du jemanden verurteilst, dann hast du keine Zeit, ihn zu lieben.“
Oder: die Selbstverständlichkeit, mit der sie Staatspräsidenten und Prostituierten die gleiche Wertschätzung entgegenbrachte. Für sie galt: in jedem Menschen Christus zu sehen. Das klingt wie ein frommer Spruch, wird aber an den Begebenheiten, die Maasburg schildert greifbar – etwa bei einem Gespräch mit dem Sandinistenführer Daniel Ortega in Nicaragua: Mutter Teresa wollte ihn damals dazu bewegen, eine Niederlassung ihrer Schwestern im Land zu genehmigen. Das Gespräch fand in einer spannungsgeladenen Atmosphäre statt. Die Stille nach einer halbstündigen flammenden Rede des Diktators, die er zornbebend beendet, unterbricht Mutter Teresa mit der Bemerkung: „Ja, ja, Werke der Liebe sind Werke des Friedens.“ Und dann geht sie auf ihn zu… „Haben Sie Kinder?“ fragt sie den Diktator.
Maasburg schildert die Szene: „Sichtlich ohne den Sinn der Frage zu verstehen, antwortet er: ,Ja.’ ,Wieviele?’ ,Sieben.’ Nun zog Mutter Teresa nacheinander sieben Wundertätige Medaillen aus ihrer Tasche, küßte jede einzelne und hielt sie, so hoch sie konnte, zum Podium hin, wo Ortega sie – jede einzeln wohlgemerkt – entgegennahm, indem er sich weit über das Podium hinauslehnte, um Mutter Teresas Hand mit dem kleinen Geschenk zu erreichen. ,Haben Sie eine Frau?’ ,Ja.’ Eine weitere Medaille wurde in der Tasche gefunden, geküsst und nach oben gereicht. ,Und hier ist eine für Sie selbst!’, beendete Mutter Teresa ihre Verteilung. ,Die brauchen Sie! Aber Sie müssen sie um den Hals tragen, so…’
Mutter Teresa deutete auf eine Schnur um den Hals des Diktators und erklärte durch Zeichen, wo die Medaille hängen solle. Mit einem Schlag hatte sich die Stimmung gewandelt…“
Welche Unmenge von Wunderbaren Medaillen sie unter die Leute gebracht hat, bekommt der Leser bei folgender kurzen Erzählung mit: Bei einem Aufenthalt in Paris besucht Mutter Teresa auch die Kirche in der Rue du Bac, dem Erscheinungsort der Gottesmutter, wo diese die heilige Catherine Labouré gebeten hat, die Wunderbare Medaille zu verbreiten. Der herbeigeeilten Oberin des Klosters erzählt Mutter Teresa, daß sie im großen Stil Medaillen verteilt.
Maasburg berichtet: „Die Generaloberin sagte: ,Das ist ja wunderbar! Dürfen wir Ihnen vielleicht ein paar Medaillen schenken, damit Sie sie nicht kaufen müssen?’ Mutter Teresa antwortete: ,Ja, gerne.’ „Wieviele brauchen Sie: 500 oder 1.000?’ Darauf Mutter Teresa: „40.000! – so viele habe ich schon verteilt.’
Ich glaube nicht, daß wir damals 40.000 Medaillen geschenkt bekommen haben, aber im Kofferraum wurden so viele Kisten wie nur möglich verstaut…“
Mit der Schilderung einer Fülle solcher Begebenheiten macht Maasburg den Leser vertraut mit dieser großen Heiligen. Am liebsten würde ich noch mehrere dieser „fioretti“ erzählen. Weil dafür der Platz fehlt, empfehle ich Ihnen, liebe Leser: Leisten Sie sich das Buch. Sie werden der Zärtlichkeit Gottes in der Person dieser großen Frau begegnen.

Christof Gaspari
Mutter Teresa. Die wunderbaren Geschichten. Von Leo Maasburg. Pattloch Verlag, 240 Seiten, 20,60 Euro.

 

 

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