VISION 20002/2015
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„So fing ich an, die Bergpredigt zu lesen…“

Artikel drucken Ein Muslim entdeckt Jesus Christus (Mark A. Gabriel)

Als Professor an der Al Azhar Univer­sität in Kairo war er wegen kriti­scher An­fragen an den Koran ent­lassen und ver­haftet worden. Verdächtigt, Christ zu sein, wurde er im Gefängnis gefoltert, dann aber auf Intervention seiner Familie entlassen. Sein Glaube an den Islam war erschüttert…
Ich kam aus dem Gefängnis mit einem großen Zorn gegen den Islam, zugleich aber auch mit der Überzeugung, dass es ein allmächtiges Wesen gab, das mich am Leben erhalten hatte. Mit jedem Tag wurde mein Hunger, diesen Gott zu finden, größer. Ständig fragte ich mich: Wer kann dieser Gott sein? An den Gott der Christen oder an den Gott der Juden dachte ich dabei nie…
So brachte ich etwa ein Jahr zu. Eines Tages waren die Kopfschmerzen besonders schlimm, sodass ich nochmals in die Apotheke ging, um mir neue Tabletten zu holen. Die Apothekerin war, wie die meisten Apotheker in Ägypten, Christ. Ich war schon lange Kunde bei ihr, sodass ich unbefangen mit ihr reden konnte. Ich beklagte mich bei ihr: „Diese Pillen wirken nicht mehr so gut wie früher.“ Sie antwortete: „Sie stehen an einem gefährlichen Punkt. Sie sind dabei, eine Abhängigkeit von diesen Tabletten zu entwickeln…“
Dann fragte sie mich freundlich: „Was ist eigentlich mit Ihnen los?“ Sie wusste, dass meine Familie sehr angesehen war und dass ich an der Al-Azhar-Universität studiert hatte. Ich sagte ihr, ich sei auf der Suche nach Gott. Das überraschte sie. „Was ist denn mit Ihrem Gott und Ihrer Religion?“, fragte sie. Und so erzählte ich ihr meine Geschichte.
Daraufhin holte sie ein Buch unter dem Tresen hervor und sagte leise: „Ich gebe Ihnen dieses Buch mit. Bevor Sie heute Abend Ihre Tabletten nehmen, versuchen Sie, ein wenig darin zu lesen. Schauen Sie, wie Sie sich dabei fühlen.“
Ich nahm die Tabletten in die eine und das Buch in die andere Hand. Es war in schwarzes Leder gebunden, und auf der Vorderseite stand auf Arabisch „Die Bibel“. „Okay,“ erwiderte ich, „ich versuche es mal.“ Dann verließ ich den Laden und hielt das Buch mit der Vorderseite gegen mich, damit man den Titel nicht lesen konnte. Ich ging zurück nach Hause und verschwand in meinem Zimmer. Es war das erste Mal in meinem Leben, dass ich eine Bibel in der Hand hatte. Ich war fünfunddreißig Jahre alt.
Es war ein Sommerabend gegen zehn Uhr. Ich hatte heftige Kopfschmerzen, aber ich nahm keine Tabletten. Stattdessen legte ich sie auf den Schreibtisch und betrachtete die Bibel. Da ich keine Ahnung hatte, wo ich zu lesen anfangen sollte, schlug ich sie einfach irgendwo auf. Es war die persönliche Bibel der Apothekerin, und ich bemerkte ihre Notizen auf den Seiten. Die Stelle, die ich aufgeschlagen hatte, war Matthäus 5.
So fing ich an, die Bergpredigt Jesu zu lesen. Ich sah das Bild vor mir – Jesus auf dem Berg, wie er die Menge lehrte, die sich um ihn scharte. Während ich mich in den Text vertiefte, vergaß ich völlig, dass ich zu Hause war. Ich nahm nichts mehr um mich herum wahr. Die Bibel zog mich von einer Geschichte zur nächsten, bis ich das ganze Matthäusevangelium gelesen hatte.
Mein Gehirn fing an zu arbeiten wie ein Computer. In dem Buch vor mir auf dem Schreibtisch sah ich das Bild Jesu. In meinem Kopf hatte ich das Bild Mohammeds. Unentwegt stellte mein Gehirn Vergleiche zwischen den beiden an. (…) Ohne es zu merken, wie die Zeit verging, las ich in der Bibel, bis ich von der Moschee den Ruf zum Morgengebet hörte…
Seit meinen Erlebnissen im Gefängnis hatte ich jede Nacht Mühe gehabt einzuschlafen. Oft wälzte ich mich stundenlang hin und her, bis ich schließlich erschöpft einnickte. An diesem Morgen jedoch legte ich meinen Kopf aufs Kissen und war binnen einer Minute eingeschlafen. Ich merkte nicht einmal, dass meine Kopfschmerzen völlig weg waren. Drei Stunden später, um sieben Uhr, erwachte ich und fühlte mich vollkommen erfrischt. Ich war bereit, meine Entscheidung zu treffen. Ich hatte den allmächtigen Gott des Himmels gefunden, nach dem ich gesucht hatte. Ohne einen Rest des Zweifels in meinen Gedanken betete ich zum Gott der Bibel und gab mein Leben in seine Hände. Dann griff ich wieder zur Bibel.
Die Evangelien, die Apostelgeschichte und den Römerbrief hatte ich bereits durchgelesen. Da ich nicht sicher war, wo ich weitermachen sollte, schlug ich die Bibel der Apothekerin einfach irgendwo auf. Diesmal stieß ich auf Psalm 91. Ich las den ganzen Psalm. Dann las ich ihn noch einmal. Er hörte sich an wie eine persönliche Botschaft, eigens für mich und meine Situation.  „Wer im Schutz des Höchsten wohnt, bleibt im Schatten des Allmächtigen. Ich sage zum Herrn: Meine Zuflucht und meine Burg, mein Gott, ich vertraue auf ihn …
Diese Worte zeigten mir, dass Gott die Gefahren kannte, denen ich wegen meiner Entscheidung ausgesetzt sein würde. Meine Familie, meine Brüder, mein Vater, meine eigenen Leute – wenn sie von meiner Bekehrung erführen, würden sie kommen und versuchen, mich zu töten, bevor es ein anderer tat. In diesem Psalm hörte ich Gott sagen: „Ich werde dich beschützen.“

Auszüge aus dem Buch Jesus und Mohammed – Erstaunliche Unterschiede und überraschende Ähnlichkeiten,© Resch-Verlag, Dr. Ingo Resch GmbH, Gräfelfing, Deutschland 2006, 301 Seiten, 13,90 Euro

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