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Dynamik der Liebe

Artikel drucken Wie Verhütung das Scheidungsverhalten beeinflusst (Inge M. Thürkauf)

Scheidung ohne Stress“, „Scheidung für Eilige“, „Scheidung online – Fachkanzlei ermöglicht es.“ So klingen Werbeangebote der seit einigen Jahren florierenden Scheidungsindustrie. Da jede zweite oder dritte Ehe geschieden wird, bedarf es Spezialisten, die diese Krisensituation aufarbeiten.  Scheidungsanwälte, Psychocoaches, Heiratsvermittler, Reisebüros, Immobilienmakler einschließlich Konditoren mit Scheidungstorten bieten auf sogenannten Scheidungsmessen ihre Dienste an.
Psychologen und Sozialforscher machen vor allem den gesellschaftlichen Wandel und die völlig veränderten gegenseitigen Ansprüche in der Ehe als Verursacher der in den letzten Jahrzehnten rasant angestiegenen Scheidungszahlen verantwortlich. Das mag im Einzelnen gesehen nicht falsch sein. Doch Weihbischof Andreas Laun und seine Mitarbeiter im Referat für Ehe und Familie der Erzdiözese Salzburg sowie seine bischöflichen Mitbrüder Elmar Fischer und Klaus Küng gelangten zu einem Ergebnis, das in den Betrachtungen der genannten „Berater“ keine Beachtung findet: der Zusammenhang zwischen künstlicher Empfängnisverhütung und Scheidung. Grundlage ihrer Überlegungen war die Studie der amerikanischen Prolife-Aktivistin Mercedes Wilson, die entdeckte, dass Paare, die künstlich verhüten, häufiger in Scheidung enden, als jene, die in ihrer Ehe die Natürliche Empfängnisregelung (NER) leben.
Mit Hilfe des Arztehepaars Walter und Michaela Rhomberg wurde unter den Mitgliedern des Instituts für Natürliche Empfängnisregelung (INER) im deutschsprachigen Raum eine Untersuchung durchgeführt um abzuklären, ob die in Amerika erarbeitete Studie verifiziert werden kann. Die Umfrage bezog sich auf die Gründe für die Wahl von NER sowie auf die Praxis der Methode, die Zufriedenheit im Familienleben und die Akzeptanz der periodischen Abstinenz. Die Sondierung dieses Fragebogens, bei der auch die religiöse Praxis einbezogen wurde, zeitigte erstaunliche Resultate:
61% bestätigten eine Bereicherung ihrer persönlichen Beziehung zum Partner, 63% erlebten das Familienleben schöner und glücklicher, 82% der Befragten beurteilten die periodische Abstinenz als positiv. Das für die Anwendung der NER sprechendste Ergebnis jedoch ist die Tatsache, dass die Scheidungshäufigkeit in Relation zur religiösen Praxis – unabhängig vom Glaubensbekenntnis – bei 3% liegt, bei distanzierter religiöser Praxis allerdings bei 12,5%, doch auch diese Scheidungsrate liegt immer noch deutlich unter den Durchschnittswerten der in Frage kommenden Länder (Österreich im Jahre 2007 bei 48 %). Die durchschnittliche Geburtenzahl der befragten Paare liegt bei drei Kindern.
Ein entscheidender Grund des mangelnden Bekanntheitsgrades der NER ist die Dominanz der Pharmalobby, die aus wirtschaftlichen Gründen die zahlreichen gesundheitsschädlichen Nebenwirkungen dieses hochwirksamen Hormonpräparats unterschlägt: wie Thrombosen, Embolien, Infektionen, De­menz­entwicklung, sowie ein erhöhtes Krebsrisiko (Brustkrebs, Leber- und Gebärmutterhalskrebs).
Der westliche Mensch pflegt einen oft befremdlichen Gesundheitskult in seinem Trend zur Natürlichkeit, warum aber wird die Pille, die kein Medikament gegen eine Krankheit ist, sondern ein Mittel gegen die Fruchtbarkeit der Frau, über Jahre hinweg täglich eingenommen? Überall heißt es „Zurück zur Natur“, doch wenn es um Verhütung geht, ist jedes Mittel recht, selbst wenn es die Gesundheit der Frau ruiniert.
Das sexuelle Verhalten vieler Paare wird seit Jahrzehnten durch Verhütung bestimmt, das in der Folge in allen Bereichen der Moral zu einer permissiven Denkweise geführt hat. Die Entwicklung hätte einen anderen Verlauf genommen, wenn „der umstrittenste Text der Kirche“ ernst genommen worden wäre: die Enzyklika Humanae Vitae. Fast ein halbes Jahrhundert ist seit ihrem Erscheinen vergangen. Die Erfahrungen dieser Jahre haben gezeigt, dass die Warnungen, von denen Papst Paul VI. einst sprach, in einem kaum erwarteten Maße berechtigt waren. Daher trifft es zu, was Weihbischof Laun betont: „Die Abwendung von Verhütung hin zur Natürlichen Empfängnisregelung könnte der Anfang einer neuen, erneuerten Liebesbeziehung werden und Scheidung verhindern,… denn mit Blick auf die Kirchengeschichte gab es noch nie einen günstigeren Zeitpunkt für Katholiken, die Ehelehre der Kirche zu entdecken als heute.“


Die Dynamik der Liebe – Neue Gesichtspunkte zur Natürlichen Empfängnisregelung nach Rötzer. Von Andreas Laun & Maria Eisl (Hrsg). EheFamilieBuch Vlg. 100 Seiten, 10,80 Euro

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