VISION 20005/2012
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Seid ihr bereit?

Artikel drucken Sie sind verheiratet? Dann tragen Sie Mitverantwortung für Kirche und Welt (Von Ingeborg und Horst Obereder)

Wie Jesus Seine Jünger zu zweit ausgesandt hat, ruft Er auch jedes gläubige Ehepaar in den missionarischen Dienst . Im folgenden das Zeugnis eines Paares, das dem Ruf, Zeugnis zu geben, in vielfältiger Weise  gefolgt ist.


Wenn uns jemand zwei Jahre nach der Hochzeit danach gefragt hätte, ob wir noch wüssten, was wir einander bei der Trauung versprochen haben, hätten wir ge­antwortet: „Ja sicher wissen wir das, wir haben einander Liebe und Treue versprochen bis der Tod uns scheidet.“ Das wäre grundsätzlich richtig gewesen, auch wenn der offizielle Text etwas anders lautet. Auf eine Zusatzfrage: „Hat euch der Priester auch Fragen gestellt?“ hätten wir nach einigem Überlegen gesagt: „Ja, er hat uns gefragt, ob wir bereit seien, Kinder zu bekommen und sie christlich zu erziehen.“
Und hätte dieser „Jemand“ wissen wollen, ob wir sonst noch etwas versprochen haben, dann hätten wir sicher mit „Nein“ geantwortet. Erst viele Jahre nach unserer Hochzeit ist uns bewusst geworden, dass uns der Priester auch fragte: „Seid ihr bereit, als christliche Eheleute Mitverantwortung in der Kirche und in der Welt zu übernehmen?“
Hand aufs Herz, wer von den Eheleuten kann sich noch an diese Frage erinnern? Wer weiß noch, dass er vor dem Priester und den Zeugen diese „Mitverantwortung“ versprochen hat. Mitverantwortung in der Kirche und in der Welt übernehmen, das heißt nicht nur Kirchensteuer zu zahlen, bei Spendenaufrufen großzügig zu sein oder beim Flohmarkt mitzuarbeiten; das bedeutet mehr!
Freilich ist es wichtig und gut, einen finanziellen Beitrag für die Kirche zu leisten, es ist auch lobenswert, sich vor praktischen Arbeiten nicht zu drücken; eine gesunde Pfarre braucht viele Helfer! Aber darüber hinaus gibt es auch noch einen spirituellen Aspekt, der in der Mitverantwortung steckt: Die Liebe Gottes zu bezeugen und Seine Liebe weiterzugeben; dazu sollen wir bereit sein!
Alle Katholiken sind durch die Firmung befähigt, diese Mitverantwortung zu übernehmen. Und wie kann sie konkret aussehen? Was kann der Einzelne, was können Ehepaare tun? Wir haben beide schon vor unserer Ehe bei der „Actio 365“ mitgearbeitet. Pater Leppich, ein begnadeter Prediger hatte Laien-Gruppen gegründet und ihnen immer wieder neue Aufgaben gestellt: Wir sollten z.B. dafür sorgen, dass Gottesdienstanzeiger in den Ortschaften aufgestellt werden; wir wurden aufgefordert, für die SOS-Plaketten am Auto zu werben, Bibeln in Hotels zu bringen, sicherzustellen, dass Kioske keine verbotenen Schriften verkaufen… In kurzer Zeit kamen so viele Ideen zusammen, dass man gar nicht alles verwirklichen konnte. Also Aufgaben gibt es genug.
Bitten Sie den Heiligen Geist: „Welche Aufgabe hast Du für mich vorgesehen?“ Rufen Sie Ihn immer wieder an, und Er wird Sie Ihre Aufgabe erkennen lassen. Herbert Madinger hat unermüdlich für die Mission im eigenen Land gearbeitet. Einmal hat er uns gesagt, dass es in seinem Inneren rausche, wie wenn ein Wasserfall herabstürzte. Es sei die Dringlichkeit, die er spüre, die Dringlichkeit des Apostolates und der Verkündigung.
Was könnte uns der Heilige Geist also sagen?
n Verkünde die Frohbotschaft durch das Zeugnis Deines Lebens!
n Lebe den Glauben unverkürzt!
n Halte die Gebote!
n Tritt für die christlichen Grundwerte ein, sei es „gelegen oder ungelegen“.
n Reagiere öffentlich durch einen Leserbrief oder einen Telefonanruf, wenn die Gebote Got­tes in den Medien missachtet werden!
n Trage ohne Scheu religiöse Symbole, ein Kreuz oder eine Medaille!
n Bete immer vor dem Essen, zu Hause wie in der Öffentlichkeit. (Weil eine Studentin dies an der Uni getan hat, beschäftigte sich daraufhin ein Studienkollege eingehend mit dem Glauben.)
n Bilde dich im Glauben weiter! Wenn Dir der Glaube ein Anliegen ist, dann musst Du wissen, was Du glaubst! „Die Unwissenheit ist der größte Feind des Glaubens“, sagte der selige Papst Johannes Paul II.. Studieren Sie deshalb den Weltkatechismus, das Kompendium oder den Youcat. Es kann natürlich auch ein anderes Buch sein, das die Lehre der Kirche systematisch darstellt. Wir haben beispielsweise eine Art „Volkskatechismus“ mit dem Titel Das unglaubliche Glaubensbuch verfasst.  
n Schenke oder verborge Bücher! Missionarisch zu sein heißt auch, andere auf gute Bücher aufmerksam zu machen. Bevor wir begonnen haben, selbst Bücher zu schreiben, haben wir gute Bücher anderer verbreitet. Von dem fantastischen Buch von P. Anton Gots Das Ja zum Kreuz  haben wir ein Drittel der ersten Auflage „an den Mann gebracht“.
Noch viele andere Ideen könnten wir aufzählen, aber da drängt sich wieder die Frage auf: Seid ihr bereit, seid ihr grundsätzlich bereit? Die Bereitschaft ist nach Papst Paul VI. von fundamentaler Bedeutung. Er schreibt: „Schließlich wird derjenige, der evangelisiert worden ist, auch seinerseits wieder evangelisieren. Dies ist der Wahrheitstest, die Probe der Echtheit der Evangelisierung: Es ist undenkbar, dass ein Mensch das Wort Got­tes annimmt und in das Reich eintritt, ohne auch von sich aus Zeugnis zu geben und dieses Wort zu verkünden“ (Evangelii Nuntiandi 24).
Bevor wir uns kennengelernt haben, wollte jeder von uns in die Mission gehen. Es war dafür eine grundlegende Bereitschaft vorhanden. Gerade diese Bereitschaft führte uns auf wunderbare Weise zusammen. Da die (Auslands)-Mission allerdings nicht unsere Aufgabe sein sollte, verschrieben wir uns der „Mission“ in der Heimat. Und wir blieben nicht ohne Arbeit.
Gott hat für uns vor allem den Weg in die Erneuerungsbewegungen vorgesehen. So waren wir bei „Actio 365“, dem „Cursillo“, der „Charismatischen Erneuerung“ und der „Initiative Hauskirche“ aktiv tätig. Eigentlich begann es immer mit einem: „Seid ihr bereit?“ Diese leise Stimme des Heiligen Geistes darf man nicht überhören.
Horst studierte in Wien und wollte an einem Abend ins Kino gehen. Da kam seine Cousine und sagte, heute sei Pater Leppich, ein Prediger, der Massen begeisterte, in Wien und er wolle sich mit einer am Apostolat interessierten kleinen Gruppe treffen. Sie sei eingeladen, wäre aber verhindert. Ob nicht Horst gehen wolle? Wieder war da die Frage: „Bist du bereit?“ Der Film oder Pater Leppich? Horst wusste, es würde eine wichtige Entscheidung sein – und er entschied sich für P. Leppich. In der Folge wurde er Mitglied in einem der Teams und begann, sich im Glauben zu vertiefen. Ohne es zu wissen legte er dadurch sogar den Grundstein für unsere Ehe.
Immer wieder begegnete uns diese Frage „Seid ihr bereit?“ Seid ihr bereit, ein Pfarrblatt zu verfassen; seid ihr bereit, kirchliche Statistiken auszuwerten; seid ihr bereit, eine Anbetung zu organisieren; seid ihr bereit, im Cursillo mitzuarbeiten; seid ihr bereit, für die Charismatische Erneuerung der Diözese Laiensprecher zu werden, bei der Initiative Hauskirche mitzuarbeiten… Auch in schwierigen Situationen stand oft die Frage im Raum: „Seid ihr bereit“ Zeugnis zu geben, auch wenn man dabei gegen den Strom schwimmen muss?
Vor Jahren besuchten wir zusammen mit einem Karmelitenpater den Karmel in Mariazell. Ingeborg hat die damalige Redakteurin einer spirituellen Zeitschrift gefragt, ob sie nicht eine Schriftstellerin kenne, die ein Kinderbuch über die kleine heilige Therese schreiben würde. Es gab nämlich keines in deutscher Sprache. Die Schwester sagte spontan: „Nein, aber schreiben doch Sie dieses Buch!“ Horst und der anwesende Pater fanden diese Idee ausgezeichnet und so war für Ingeborg wieder diese Frage da: „Bist du bereit?“ Und weil sie bereit war, entstand das erste Buch: Therese, eine Freundin für immer. Inzwischen ist es in sechster Auflage erschienen und in mehrere Sprachen übersetzt.
Die beschriebene Szene im Karmel von Mariazell war für uns der Start, selber Bücher zu schreiben. Und heute haben wir beinahe 40 Bücher und Broschüren geschrieben und etwa 70 Fernsehsendungen erstellt. Und wenn wir jetzt diesen Artikel verfassen, dann ist das wieder eine Antwort auf die Frage: „Seid ihr bereit?“
Natürlich muss und kann nicht jeder ein Buch schreiben – aber jeder kann ein Buch lesen und weiterempfehlen. Es kann nicht jeder Diözesansprecher sein, aber jeder kann zu Veranstaltungen einladen. Alle aber sollen wir bereit sein, auch für andere zu beten, denn das zeichnet den missionarischen Christen besonders aus!
Ein Kalasantinerpater empfahl uns den sogenannten „Herzenstausch“: Er sagte: „Übergebt eure Anliegen der Muttergottes. Sie wird bei Jesus dafür eintreten. Ihr aber betet im Gegenzug für die Anliegen der Muttergottes. Das mindert den Egoismus und steigert die Effizienz beim Gebet.“
Die Frage bleibt allerdings: „Seid ihr bereit?“


 

Publikationen

Das unglaubliche Glaubensbuch ist prägnant und gut verständlich geschrieben und sehr übersichtlich gestaltet. Bischöfe, Priester und Laien haben es wärmstens empfohlen.
Wer an den Publikationen von Ingeborg und Horst Obereder interessiert ist, findet eine Zusammenfassung unter der Internetadresse:
www.hauskirche.at/pdf/Veröffentlichungen.pdf.  

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