VISION 20005/2012
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Die heilige Klara

Artikel drucken Botschaft an uns (Von P. Gottfried Egger)

Klara wurde 1193/94 als Tochter des Adeligen Favarone di Offreduccio di Bernardo und Frau Hortulana  in Assisi geboren. Ihr Name „Chiara“, die Strahlende, Lichtvolle, war gleichsam Lebensprogramm. Wie in adeligen Häusern üblich, wurde sie nicht nur in häusliche Arbeiten unterwiesen, sie stickte und wob, sondern lernte auch lesen und schreiben. Ebenso eignete sie sich Kenntnisse der lateinischen Sprache an; ihre vier Briefe, die sie an die heilige Agnes von Prag schrieb, zeugen von einem guten Latein.
Durch das Ideal von Franz von Assisi angezogen, verließ sie am Palmsonntag des Jahres 1212 in der Nacht auf den 19. März ihr wohlhabendes Elternhaus bei der Kathedrale San Rufino in Assisi und vertauschte ihr weiches Gewand mit der rauhen Franziska­nerkutte. Franziskus nahm sie in der Portiunkulakapelle, S. Maria von den Engeln, in die Bewegung der „Minderen“, wie sich die Franziskaner nannten, auf.
Franziskus brachte Klara vorerst in das Kloster der Benediktinerinnen zu San Paolo in Bastia, vier Kilometer von Assisi. Diese Gemeinschaft sollte die junge Schwester ins klösterliche Leben einführen. Kaum eingezogen, fanden sie ihre Verwandten dort. Klara klammerte sich am Altartuch fest zum Zeichen, dass sie bereits Christus angehörte, entblößte ihr kahlgeschorenes Haupt. Dieser Anblick schien für alle ein unmissverständliches Zeichen ihrer Gotteszugehörigkeit. Sie zogen voller Groll von dannen.
Nach ein paar Tagen brachten Franziskus und seine Brüder Sr. Klara in das Kloster S. Angelo in Panzo am Monte Subasio. Auch dieser Aufenthalt sollte nicht von langer Dauer sein. Nach 16 Tagen kam nämlich Klaras jüngere Schwester Katharina nach S. Angelo. Sie wollte das Leben mit ihrer Schwester teilen. Die Flucht der zweiten Favarone-Tochter wollte Onkel Monaldo, das Familienoberhaupt, nicht einfach hinnehmen. Mit zwölf Rittern marschierte er gen Subasio hinauf, um Katharina zurück zu holen. Monaldo bemächtigte sich des Mädchens, während Klara für ihre bedrängte Schwester betete. Daraufhin konnte der Onkel Katharina nicht von der Stelle heben, weil ihr Körper unglaublich schwer geworden war. Er verlor die Geduld, holte zu einem Faustschlag aus, sein Arm aber war plötzlich wie gelähmt. Don Monaldo musste von ihr lassen. Unverrichteter Dinge zog er mit seinen Rittern ab. Kurz darauf kam Franziskus nach S. Angelo in Panzo und bekleidete Katharina mit dem Kleid der Buße und gab ihr den Namen Agnes.
Ende April, anfangs Mai 1212 brachte Franziskus die beiden Schwestern nach San Damiano. Dort gründeten er und Klara die Frauengemeinschaft der „Armen Frauen von San Damiano“, der Klarissen. Bis zu ihrem Tod lebte Klara in San Damiano, außerhalb von Assisi, in strenger Klausur. Später schlossen sich ihr auch die jüngere Schwester Beatrix und ihre Mutter Hortulana an. Auf engem Raum lebten im Klösterchen an die 50 Schwestern im Geist der Armut und Buße nach der Geistigkeit des Heiligen aus Assisi.
Obwohl Klara viele Jahre auf dem Krankenlager verbringen musste, verfertigte sie diverse Korporalien, Kelchtücher und Alben. Ein Ausdruck ihrer großen Liebe zum Sakrament des Altares.
Als erste Frau in der Kirchengeschichte hat die Heilige eine Regel geschrieben. Erst als Klara auf dem Sterbebett lag, wurde sie allerdings von Papst Innozenz IV. approbiert. Klara hatte die Kirchenleitung auch darum gebeten, dass das Klösterchen San Damiano ohne jeglichen Besitz leben dürfe. Dieses Privileg der Armut wurde in einem eigenen Dokument verbrieft. Die Kirche verpflichtete sonst alle klösterlichen Gemeinschaften aus wirtschaftlichen Gründen zu Besitztum. Die Schwestern von San Damiano lebten nur von Almosen.
In der gelebten Armut zeigte sich Klaras felsenfester Glaube an die Worte des Herrn: „Seht auf die Raben, sie säen nicht und ernten nicht, sie haben keinen Speicher und keine Scheune, aber Gott ernährt sie doch…Darum ängstigt euch nicht!“ (vgl. Lk 12, 24) Das Armsein war für sie Ausdruck ihrer Liebe zum noch ärmeren, menschgewordenen Got­tessohn. „Um der Liebe des heiligsten und geliebtesten Kindes willen, das in ärmliche Windeln eingewickelt in der Krippe gelegen ist, und um seiner heiligsten Mutter willen, mahne, bitte und ermuntere ich meine Schwestern, dass sie immer geringwertige Kleidung tragen“, sagt sie in ihrer Regel. Klara und ihre Schwestern durften daher mit dem Segen der Kirche wirklich ganz arm leben. Für sie war dies sehr wichtig, denn „arm lag der Herr in der Krippe, arm lebte er in der Welt und nackt verblich er am Marterholz“, schrieb sie in ihrem Testament.
Viele Frauen in ganz Europa fühlten sich von der Lebensform Klaras angesprochen und gründeten ähnliche Gemeinschaften. Eine von ihnen war die heilige Agnes von Prag. Mit ihr unterhielt die Heilige aus Assisi regen Briefkontakt, obwohl sich die zwei Frauen nie von Angesicht zu Angesicht gesehen haben. Vier Briefe von Klara sind uns erhalten geblieben. Sie zeugen von einer tiefen Christusliebe und einer innigen geistlichen Freundschaft.
Im 2. Brief an Agnes schrieb Klara: „Sieh auf den, der um Deinetwillen verachtenswert geworden ist, und folge ihm nach, verachtenswert geworden um seinetwillen in dieser Welt. Deinem Bräutigam, schöner als Menschenkinder (vgl. Ps 44, 3), um Deines Heiles willen der niedrigste der Menschen geworden, verachtet, zerschlagen und am ganzen Körper vielfältig gegeißelt, sogar in Kreuzesnöten gestorben, ihn, viel edle Königin (Agnes war Tochter von König Ottokar I. von Böhmen und mit Kaiser Friedrich verlobt), schaue an, betrachte, beschaue und begehre nachzuahmen. Wenn Du mit ihm leidest, wirst Du mit ihm herrschen, wenn Du mit ihm Mitleid empfindest, wirst Du frohlocken, wenn Du mit ihm am Kreuz der Trübsal stirbst, wirst Du in Herrlichkeit der Heiligen die himmlischen Wohnungen besitzen…“
Immer wieder wurde Klara von den verschiedensten Menschen in San Damiano aufgesucht. Viele heilte sie durch das Zeichen des Kreuzes. Sie war also nicht nur Ratgeberin, sie besaß auch das Charisma der Heilung.
Sr. Klara war eine mutige Frau. Wir sehen sie in der Kunst oft dargestellt mit einer Monstranz in den Händen. Diese Darstellung hat ihre Bewandtnis in einem geschichtlichen Ereignis. 1240 drangen sarazenische Truppen bis nach Assisi vor und wollten die Stadt und das Kloster San Damiano einnehmen. Klara lag krank im großen Schlafsaal. Die Schwestern schilderten der Mutter die drohende Gefahr, die sie in große Angst versetzte. Klara tröstete die Schwestern: „Fürchtet euch nicht, denn wenn Gott mit uns sein wird, werden uns die Feinde nichts anhaben können. Vertraut auf den Herrn Jesus Christus, denn er wird uns befreien. Und ich will Bürge dafür sein, dass sie euch nichts zuleide tun werden, und wenn sie kommen, bringt mich vor sie hin.“
Als nun das Heer 1240 in ihr Kloster eindringen wollte, ließ sich Sr. Klara vor die verrammelte Refektoriumstüre legen. Das Allerheiligste wurde zur Anbetung vor die Türe gebracht. Durch ihr intensives Gebet vor der Eucharistie und ihren felsenfesten Glauben wurden das Kloster und die Stadt Assisi vor der Gefahr errettet. Seither ist ihr Erkennungszeichen die Monstranz.
Am 8. August, drei Tage vor ihrem Tod, sprach Klara zu ihrer Seele: „Geh hin in Sicherheit, denn du hast ein gutes Reisegeleit. Geh hin, denn der dich geschaffen hat, hat dich geheiligt. Er hat dich stets behütet wie eine Mutter ihr Kind und dich mit zärtlicher Liebe geliebt. Herr, sei gepriesen, weil du mich erschaffen hast!“ Klara sah Bruder Tod ins Antlitz. Ihr Leben war Dasein für ihren Bräutigam Christus, dem sie in radikaler Armut und Kreuzesliebe nachgefolgt war.
Am 9. August, unterzeichnete Papst Innozenz IV. im Kloster San Francesco in Assisi die Bestätigungsbulle der Regel der Schwestern von San Damiano, ein großer Trost für die Sterbende in ihrer letzten Stunde. Immer wieder ermunterte sie ihre weinenden Schwestern, ihrer Berufung treu zu bleiben und Christus nach dem Beispiel des heiligen Franziskus nachzufolgen. Sie legte vor den Schwestern ihr Schuldbekenntnis ab und sprach den Segen über sie. So starb sie am 11. August 1253 nach vielen körperlichen Leiden. Zwei Jahre nach ihrem Tod, am 15. August 1255, wurde sie vom Papst Alexander IV. heiliggesprochen.
Aufgrund einer Vision von der Krippe des Herrn, die Klara in der Weihnachtsnacht 1252 hatte, wurde sie 1958 von Papst Pius XII. zur Schutzpatronin des Fernsehens ernannt.

Am 11. August 2012 endete das Jubiläumsjahr 800 Jahre Lebensform der hl. Klara (Palmsonntag 2011 – Klarafest 2012). Der Klarissenorden gehört zu den größten Orden der Kirche. Die Gemeinschaft wächst weltweit auch heute noch. Die Strahlkraft der Ordensgründerin ist bis in unsere Zeit ungebrochen.

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