VISION 20006/2020
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Die Lehre ändert sich nicht

Artikel drucken Bei Fragen der Sexualität: Die Theologie des Leibes bleibt die hoffnungsvolle Perspektive (Christof Gaspari)

Wir waren gerade auf Urlaub in Frankreich, an der Côte d’Azur, herrliches Herbstwetter, warm… Da erreichten uns gleich mehrere Nachrichten aus Österreich: Papst Franziskus habe sich für die Zivilehe von homosexuellen Menschen ausgesprochen. Kurz darauf berichteten alle Medien darüber – weltweit machte die Nachricht die Runde… Reformfreudige Theologen meldeten sich erfreut zu Wort. Der Papst habe einen Schneeball in den Hang geworfen und eine Lawine ausgelöst, war einer der Kommentare.

Was war geschehen? In dem kürzlich vorgestellten Dokumentarfilm Francesco über das Engagement von Papst Franziskus insbesondere für Randgruppen der Gesellschaft gibt es Passagen, in denen er sich zum Umgang mit homosexuellen Menschen äußert. Sie sind zusammengeschnitten aus früheren Stellungnahmen von Papst Franziskus zu diesem Thema. Ich maße mir nicht an zu beurteilen, wie sehr sie die Sichtweise des Papstes wiedergeben. Wohl aber scheint es mir wichtig, Gedanken über die Relevanz der Aussagen, die so viel Resonanz ausgelöst haben, anzustellen.
Das ist nicht zuletzt deshalb wichtig, weil ja auch der in Deutschland stattfindende „Synodale Weg“ dazu tendiert, homosexuelle Beziehungen abzusegnen. Ändert sich also die Lehre der Kirche in dieser wichtigen Frage?
Die Antwort kann nur sein: Die Lehre der Kirche kann sich nicht ändern. Man kann sie vertiefen, verständlicher formulieren, ausführlicher erklären… Vom heiligen Vinzenz von Lérins stammt die berühmte Definition, was katholische Lehre sei: Sie erfasse das, „was überall, immer, von allen geglaubt worden ist“. Denn der Heilige Geist leitet die Kirche und vertieft, was Jesus gelehrt hat. Das leuchtet doch ein: Es kann nicht gestern Sünde gewesen sein, also eine dem Heil des Menschen entgegenstehende Handlung, was heute als zuträglich zu betrachten sein soll.
Die Kirche verliert total ihre Autorität, wenn sie 2003 durch die Glaubenskongregation (nach­zulesen auf der Vatikan-Homepage) klarstellt: „Es gibt keinerlei Fundament dafür, zwischen den homosexuellen Lebensgemeinschaften und dem Plan Gottes über Ehe und Familie Analogien herzustellen, auch nicht in einem weiteren Sinn“, aber 2020 den Eindruck erweckt, auch für diese Art von Beziehungen sei Vorsorge zu treffen – ja man könne sie sogar segnen, wie dies schon aus bischöflichem Mund in Deutschland zu hören war und immer wieder an Valentinstagen geschieht.
Auch der Papst hat nicht die Vollmacht, die Lehre zu ändern (siehe dazu die Ausführungen von Papst Benedikt XVI. auf dieser Seite). Aller Wahrscheinlichkeit nach hatte Papst Franziskus auch gar nicht die Absicht, eine Änderung zu erreichen. Aber selbst wenn dies der Fall gewesen sein sollte, sind Interviews und Filmsequenzen nicht der Lehrstuhl Petri. Es ist daher zulässig, solche Äußerungen kritisch zu beleuchten. Auch Paulus hat Petrus widersprochen, als dieser sich von den Heiden zurückzog, „weil er die Beschnittenen fürchtete.“ (Gal 2,11)
Das klarzustellen, ist weder ein borniertes Festhalten an einer veralteten Sichtweise, noch Verachtung einer „unterdrückten Minderheit“. Tatsächlich ist heute die homosexuelle Lebensweise in unserer Gesellschaft längst angekommen. Sie paradiert in Aufmärschen, die vom Bundespräsidenten begrüßt werden, darf im Wiener Rathaus Feste feiern und an Schulen „Aufklärungsunterricht“ erteilen. Von Unterdrückung keine Spur.
Gerade in unserer Zeit ist es daher wichtig – auch für homosexuelle Menschen, die nachgewiesenermaßen sowohl psychisch wie physisch überdurchschnittlich stark leiden –, der Welt das Leitbild erfüllter Sexualität vor Augen zu führen. Papst Johannes Paul II. hat dies durch seine „Theologie des Leibes“ attraktiv auch für die Jugend dargestellt.
Wir erhoffen uns von unseren Hirten und bitten sie darum, diese wunderbare Botschaft von der erfüllten Hingabe in der lebenslangen, mit Kindern gesegneten Ehe anspreched zu verkünden. Und es ist ein Zeichen der Hoffnung, dass immer mehr Laien der Welt durch ihr Leben vorführen, dass dieser Weg zwar herausfordernd sein mag, vor allem aber Freude macht, Geborgenheit schenkt und von Gott gesegnet ist.


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