VISION 20006/2020
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Mission an der Uni

Artikel drucken (Marie Degenfeld-Schonburg)

Vier junge Erwachsene, die von den USA nach Wien gezogen sind, um Studenten zu missionieren – als mir Pater Martin Mayerhofer FSO das erste Mal von „Focus“ erzählt, bin ich sehr misstrauisch: Missionare in Österreich?
Irgendwie assoziiere ich diesen Begriff doch mit dunkel gekleideten Spaniern, die indigenen Urvölkern auf brutale Weise den Glauben aufzwingen wollen. Und dann noch im katholischen Österreich?
„Focus“ bedeutet „Fellow­ship of Catholic University Students“ (Kameradschaft katholischer Universitätsstudenten). Mehr als 700 junge Amerikaner gehören dazu. Sie sind an 154 Universitäten in der Seelsorge tätig und seit einigen Jahren auch in Europa: Wien, Southampton, Dublin und Passau. Ihr Schwerpunkt ist die missionarische Jüngerschaft. In der Uni sehen die Focus-Missionare einen Brennpunkt für die großen Fragen im Leben und nach Gott.
Trotz des ersten Misstrauens bin ich neugierig und willige ein, mich mit einer Missionarin auf einen Kaffee zu treffen. Hannah ist 25 Jahre alt, kommt aus Arkansas und ist mir auf Anhieb sympathisch. Wir reden über Gott und die Welt – ich bin positiv überrascht, wie „normal“ sie ist. Am Ende unseres Treffens lädt sie mich zu ihrer „Bible Study“ ein: eine Mädels-Gruppe, die sich einmal in der Woche trifft, um gemeinsam in der Bibel zu lesen, zu beten und zu diskutieren. Damit trifft sie einen Nerv von mir – ich bin in einer katholischen Familie aufgewachsen, kenne aber zum damaligen Zeitpunkt die Schrift kaum, habe aber Sehnsucht, meine Kenntnisse zu vertiefen.
Die Gruppe ist wunderbar: 6 quirlige Studenten aus Österreich, Frankreich und Deutschland. Wir wachsen alle eng zusammen und haben mit der Bible Study einen vertrauten Rahmen, um uns über unseren Glauben auszutauschen. Ich bleibe der Montags-Gruppe zwei Jahre treu – bis zum Ende meines Studiums in Wien.
Hannah wird zu dieser Zeit eine enge Freundin. Sie ist immer für mich da und führt mich ins Gebetsleben ein. Als sie mir vorschlägt, mir zu einem täglichen Gebetsleben zu verhelfen, fühle ich mich in meiner „Comfort Zone“ ertappt. Wird mir das zu viel? Die Sehnsucht nach einer tieferen Beziehung zu Jesus überwiegt letztendlich. Durch ihre Unterstützung erkenne ich, dass es jeden Tag möglich ist, 30 Minuten für Gott zu finden.
Dafür werde ich Hannah ewig dankbar sein, denn sogar zwei Jahre, nachdem ich Wien verlassen habe, ist das tägliche Gebet mein Anker im Alltag, im stressigen Berufsleben. Ich habe eine Sehnsucht, weiter im Gebet zu wachsen und finde große Unterstützung in der Gemeinschaft. Das ist besonders in Berlin, der Stadt, in der ich jetzt lebe, ein Riesengeschenk. Wöchentlich treffe ich mich mit einigen Freundinnen, um gemeinsam in die Messe zu gehen und zum anschließenden Austausch.
Die Focus-Missionare stützen sich auf drei Grundpfeiler: „Divine Intimacy“ (eine tiefe persönliche Beziehung zu Gott leben), „Authentic Friendship“ (Hannah erklärt mir das so: Jesus will mit dir befreundet sein, deswegen bringen wir die Studenten durch Freundschaft zu Jesus) und „Spiritual Multiplication“ (die Missionare motivieren ihre Bible-Study-Teilnehmer, eigene Gruppen zu eröffnen, und sie bilden langfristig europäische Missionare aus).
Die Missionare kommen nur auf Einladung eines Bischofs an einen Campus. In Wien kam die Einladung durch Kardinal Schönborn.
Obwohl ich mich innerhalb der Strukturen der katholischen Kirche gut auskenne, kenne ich keine effektivere Mission als die der Focus-Missionare. Erhebungen zeigen, dass 76% der Focus-Alumni, deren Glaube an der Universität entzündet wurde, angeben, ihr Glaube sei nach dem Studium oder nach dem Missionseinsatz beständig oder gewachsen, im Vergleich zu 9% der katholischen Millennials im Allgemeinen. Unglaubliche Zahlen, bedenkt man die aktuelle Situation der katholischen Kirche in Deutschland und Österreich.
Noch eine weitere Zahl ist unglaublich: Seit der Gründung von Focus vor 22 Jahren sind 958 junge Menschen aus dem Umfeld von Focus dem Ruf zum Priester oder zum gottgeweihten Leben gefolgt. Diese Entwicklung beschleunigt sich, denn allein 42% dieser Berufungen stammen aus den letzten 5 Jahren. Auch ein Mädchen aus meiner Bible Study, Larissa, ist seit zwei Jahren bei den Franciscan Sisters of the Renewal in New York. Ich wünsche so vielen Studenten, dass sie die Möglichkeit bekommen, Missionare kennenzulernen, um diese kostbaren Freundschaften zu entwickeln, denn „wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“

Haben Sie Interesse FOCUS näher kennenzulernen oder die Arbeit von FOCUS in der Studentenmission zu unterstützen? Sie erreichen Mag. Stefan Reichelt, den Leiter des europäischen FOCUS Philanthropy Teams unter focus.europe@focus.org

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