VISION 20001/2003
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Unsere Hoffnung ist der Herr

Artikel drucken Hoffnung jenseits von Pessimismus und Optimismus (Von Christof Gaspari)

Der eben zurückliegende Jahreswechsel war für sehr viele ein Anlaß innezuhalten. Man blickt zurück und hält Ausschau. Was bringt das neue Jahr? Denn was die Zukunft bringen mag, ist ein Thema, das die Menschen seit jeher beschäftigt hat.

Am Ende des Jahres haben dann jeweils die Astrologen Hochkonjunktur. Ein Anhalten der wirtschaftlichen Probleme und einen Irak-Krieg sagt der von Die Bunte bemühte Sterndeuter für 2003 voraus. Ähnliches hört man von vielen Kommentatoren in den Medien. Keine guten Perspektiven also, recht beunruhigend... In Zeiten wie diesen haben Schwarzseher Hochkonjunktur. Sie wußten es immer schon: So könne es nicht weitergehen. Und selbst wenn es nicht zum Krieg kommen sollte, werde uns die Umweltzerstörung ruinieren oder die steigende Kriminalität oder die überhandnehmende Arbeitslosigkeit. Und tatsächlich: All das sind schwerwiegende, ungelöste Probleme, die Anlaß zur Sorge geben.

Selbst Optimisten können dies nicht einfach vom Tisch wischen. Sie werden aber darauf hinweisen, daß es solche oder ähnliche Probleme immer schon gegeben habe - und daß man bisher stets Auswege gefunden habe. Diesmal werde es nicht anders sein. Und sollte derzeit nicht alles gut laufen, so werde das Pendel demnächst in die andere Richtung ausschlagen. Und überhaupt werde das Negative stets von den Medien hochgespielt und überzeichnet. Auch diese Sichtweise hat etwas für sich.

Wer hat nun aber recht? Die Optimisten oder die Pessimisten? Zunächst einmal ist zu sagen, daß beide Einstellungen sich aus einer oberflächlichen und einseitigen Betrachtung ergeben. Beider Zukunftssicht wird entscheidend bestimmt von den äußeren Umständen und deren erwarteter Entwicklung. Der Pessimist pickt sich aus dem Mosaik der Gegebenheiten das heraus, was (zurecht) Anlaß zur Sorge gibt. Der Optimist weist (zurecht) auf bisherige Erfolge und die Möglichkeit ihrer Wiederholung hin.

In beiden Fällen aber wird die Entwicklung als Geschehen begriffen, das am Menschen irgendwie schicksalhaft vollzogen wird. Tatsächlich haben wir ja, besonders in den Industrieländern, eine Welt eingerichtet, von der man erwartet, daß alles wie am Schnürchen funktioniert. Da läuft der einzelne Mensch als Rädchen in einer bisher recht gut geölten Maschinerie mit. Dieser Umstand vermittelt leicht den Eindruck, alles Wesentliche in der Zukunft hänge vom reibungslosen Funktionieren dieses Apparates ab - auch das persönliche Glück des einzelnen.

Es stimmt zwar, daß die äußeren Umstände einen wichtigen Einfluß auf meine Befindlichkeit ausüben, aber allein maßgebend dafür sind sie keineswegs.Wer Gedanken über die Hoffnung anstellt, muß da schon tiefer graben. Denn Pessimismus und Optimismus sind das Ergebnis eines Kalküls, das nur mit den menschlichen Gegebenheiten und Möglichkeiten rechnet. Die Hoffnung hingegen erweitert den Horizont und bezieht Gottes Wirken in die Betrachtung ein - eine Vorgangsweise, die in unserer aufgeklärten Zeit allerdings vielen nur ein Lächeln abringen wird.

Die Hoffnung des Christen allerdings rechnet damit, daß Gott zu Seinen Verheißungen steht, daß Er der Herr der Geschichte ist und daher auch allein Herr des zukünftigen Geschehens.

Das klingt mehr als befremdlich, wenn man diese Aussage so mißversteht, daß man Gott als Drahtzieher der Ereignisse ansieht. Nein, wir Menschen sind frei in unseren Entscheidungen und Handlungen. Aber das engt Gottes Handlungspielraum nicht ein. Denn der Herr wirkt souverän das Heil, das Er den Menschen verheißen hat, jenseits aller menschlichen Aktivitäten. Seine Gedanken sind nicht unsere Gedanken und Seine Wege nicht unsere. Sie überragen unser Denken und Tun himmelweit.

Und die christliche Hoffnung ist fest in diesem Glauben verankert: Egal, was in der äußeren Welt geschieht, Gott ist am Werk, unbeirrt wirkt Er Sein Heil.

Diese Wahrheit hat P. Werenfried van Straaten einmal in einem sehr sprechenden Bild illustriert. Er beschrieb das Heilswirken Gottes folgendermaßen: Gottes Schöpfung sei ein wunderbares Mosaik, unfaßbar schön in seiner Harmonie. Und wir Menschen stehen vor diesem herrlichen Werk und bewerfen es fortgesetzt mit Steinen, wodurch es splittert und zerfällt. Aber in Seiner unendlichen Güte läßt der Herr das Bild in Seinen Händen fortwährend zu einem immer noch herrlicheren Mosaik zusammenfallen.

Gott schreibt also auf krummen Linien gerade. Er macht selbst aus der menschlichen Bosheit und Schwäche Werkzeuge Seines Heilswirkens. In manchen Ereignissen leuchtet uns diese Wahrheit auf. Meist aber sehen wir nur die herabfallenden Scherben, und die Verzagtheit ergreift unser Gemüt.

Daß diese überhand nimmt, davor vermag uns die christliche Hoffnung zu bewahren, die sich nicht darauf beschränkt, mit den menschlichen Möglichkeiten zu rechnen. Sie hält sich - auch gegen allen äußeren Anschein - an der uns von Gott zugesagten Treue fest und rechnet mit Seinem unbeirrbaren Heilswillen. Die Märtyrer, insbesondere die unzähligen des 20. Jahrhunderts, sind vor allem für uns, ihre Zeitgenossen, sprechende Zeugen, daß sich dieses Vertrauen durch alle Situationen hindurch als tragfähig erweist.

Der in der Hoffnung verankerte Christ muß daher auch jene Realität nicht ausblenden, die rein menschlich gesehen Grund zur Verzweiflung wäre. Er muß nicht die Augen verschließen vor Zukunftsperspektiven, die dazu angetan sind, lähmende Angst einzuflößen. Hoffnung zu geben, bedeutet also keineswegs, Menschen in einer Scheinsicherheit zu wiegen, ihnen somit eine Scheinhoffnung, die zu Enttäuschungen führen muß, vorzugaukeln.

Die christliche Hoffnung ist realistisch bis zum Exzeß. Sie sieht das Übel, sie benennt dessen Quelle, den Satan, aber sie weiß auch um die Allmacht des Stärkeren, der jenseits der Bosheit unbeirrt das Heil wirkt - und es jedem Menschen immer wieder anbietet.

Unsere Hoffnung ist der Herr, der sich bereits als souverän erwiesen hat, als Ihn Seine Zeitgenossen vor 2000 Jahren umgebracht haben, Seine Unbesiegbarkeit damit aber nicht wirklich antasten konnten. Mit derselben Souveränität wird Christus am Ende der Zeiten wiederkommen. Auch das ist Bestandteil unserer Hoffnung.

Zugegeben: Es besteht die Gefahr, daß solche Aussagen zu Floskeln verkommen. Und niemand kann die Hand dafür ins Feuer legen, daß er in Zeiten der Schwäche und der Bedrängnis imstande ist, die Kraft dieser Hoffnung spürbar zu mobilisieren. Das ändert allerdings nichts an der Notwendigkeit weiterzusagen, woher allein dem Menschen Hoffnung zukommt.

Und um selbst ein hoffnungsfroher Mensch zu werden, ist es wichtig, diese Haltung in den Kleinigkeiten des Alltags einzuüben, sich durch Widrigkeiten und Rückschläge, durch ungerechte Behandlung und Benachteiligung, durch die eigene Schwäche, durch Versagen nicht entmutigen zu lassen. Gott macht schon was draus, wenn wir Ihn vertrauensvoll darum bitten.

Auf diesem Wege kann unser Vertrauen zu Jesus Christus wachsen, wir dürfen erfahren, daß Gott gerade in den Schwachen stark ist, und unsere Zuversicht wird auf diese Weise immer weniger abhängig von den äußeren Umständen.

Daß Sie mit einer solchen Hoffnung in dieses neue Jahr 2003 gehen, das wünsche ich Ihnen von Herzen.

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